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Das erwartet uns - die Andamanensee |
In Chiang
Mai ganz im Norden Thailands sind wir morgens ins Flugzeug gestiegen. Jetzt
geht es in den Süden, nach Krabi. Der Flug mit Thai Airways war problemlos –
modernes Flugzeug, der Service – alles wie in Europa, nur dass viele Thais um
einen sitzen.
Auf dem
Flughafen in Bangkok - Aufenthalt. Wir schauen uns ein bisschen um, alles wie
auf jedem internationalen Flughafen. Natürlich viel Getriebe; buddhistischer
Mönch müsste man sein – sie haben einen eigenen ruhigen Aufenthaltsraum. Am
Nachmittag kommen wir in Krabi an. Beim Anflug sehen wir riesige Palmenwälder –
wir sind im tropischen Süden.
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Schön leerer Aufenthaltsraum auf dem Flughafen in Bangkok - aber nur für buddhistische Mönche |
Krabi, Hauptstadt einer Provinz, liegt 800 km südlich von Bangkok, auf der westlichen Seite des lang gestreckten Landes, an der Andamanensee. Gegenüber liegt Phuket auf seiner Halbinsel. Will man nicht die Strapaze einer nachtlangen Busfahrt auf sich nehmen, muss man schon den weit teureren Preis für den Flug nach Krabi hinlegen. Der Ort wird in den letzten Jahren viel von Touristen angeflogen, nicht wegen der Stadt, sondern wegen der nahen Strände, den Inseln.
Aufenthalt in den „Pine Bungalows“
Draußen
vor dem modernen Flughafengelände wartet ein Jeep auf uns. Ein Mitarbeitervon Pine
Bungalows holt uns ab. Liegt nordwestlich im Bereich Ao Nang Beach. Hinter
Krabi geht es durch eine reizvolle Landschaft. Hohe Kalksteinfelsen ragen an
der Straße empor und umschließen sie manchmal schluchtartig. Diese Felsen sind
charakteristisch für die Gegend, man findet sie auch im Meer.
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Auf dem Weg nach Ao Nang Beach |
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Dorf-Moschee |
Nach ca.
60 km kommen wir in ein Dorf, einfache Häuser, provisorische Hütten, einige
bescheidene Restaurants, eine große Moschee, auf der die grüne Fahne des
Propheten weht. Ein großer Teil der Bevölkerung ist hier muslimisch. Sie leben
aber anscheinend mit den Buddhisten friedlich zusammen, im Gegensatz zu den
Gebieten noch weiter südlich an der Grenze zu Malaysia. Vor Reisen dorthin wird
gewarnt, wegen der Attentate, die sich gegen
die Regierung in Bangkok richten.
Nun geht es eine Seitenstraße den Berg
hinauf. Ringsumher tropischer Wald. Dann kommt das Schild „Pine Bungalows“.
Ziemlich abgelegen. Inmitten von wuchernden tropischen Bäumen und Pflanzen
liegen kleine gemauerte, weiß gestrichene Hütten, die sich den Abhang bis zum
Meer hinunterziehen. Wir beziehen zwei dieser Hütten, eine für Dagmar und mich
und eine für Anna-Lena. Die Hütten sind einfach eingerichtet, Doppelbett, Toiletten-
und Duschraum. Vor der Hütte eine überdachte Veranda. Wer hierher kommt, sucht
nicht Luxus, sondern Natur, Ruhe – und die gute Küche des Restaurants. Die
Miete für die Hütten ist übrigens sehr billig, wenn man direkt über die Website
bucht.
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Hütte in den Pine Bungalows |
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Veranda einer unserer Unterkünfte |
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Im Hintergrund das Restaurant -
unten Blüten am Restaurant |
Wir
ziehen ein – die beiden Frauen murren ein wenig. Dagmar wegen Wassers
undefinierbarer Herkunft, das im Toilettenraum steht, Anna-Lena wegen eines
Risses in der Wand, durch den Mücken und Insekten kommen können. Der Riss wird
mit Zeitungspapier zugestopft, die Flüssigkeit wird aufgewischt – sie kommt
aber bald wieder.
Dann geht
es zum Strand hinunter, am Hauptgebäude und Restaurant vorbei. Wir sehen
freundliche Frauen in der großen Küche wirken, sie macht für thailändische
Verhältnisse einen sauberen und ordentlichen Eindruck. Vor dem Restaurant eine
freie Fläche, begrenzt von Bäumen, an denen Hängematten befestigt sind. Ein Geisterhäuschen
auf einem Pfahl weist auf den Durchgang zum Strand – die Besitzer sind Buddhisten. Dann treten
wir auf den weißen Sandstrand, der sich rechts und links weit dahin zieht,
gesäumt vom Urwald. Es ist gerade Ebbe, auf dem Schlick liegt ein hölzernes
Long-Tailboot, weit zieht sich der Meeresboden dahin, Felsbrocken liegen darin
– wohl korallischen Ursprungs. Dahinter das Meer, dessen Linie durch eine
gegenüber liegende bergige Insel begrenzt wird. Die Sonne scheint, doch über
dem Wasser liegt Dunst, es ist tropisch warm. Südseegefühle kommen bei uns auf.
Das sieht schon nach kleinem Paradies aus. Wir freuen uns auf die drei weiteren
Tage, die wir hier verbringen wollen.
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Der Zugang zum Meer wird von einem "Geisterhäuschen" bewacht |
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Ebbe |
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Abend |
Abends
füllt sich das Restaurant, Menschen aus aller Welt, ältere, junge, viele
Japaner, die verschiedensten Sprachen schwirren durch die Luft. Eine große
Speisekarte wird gebracht, alles thailändische Gerichte. Der Besitzer berät
uns. Wir leisten uns das Spitzengericht, frischen Fisch, in der Gegend gefangen.
Er schmeckt köstlich. Überhaupt das Essen hier, es ist die beste Küche, die uns
in Thailand begegnet ist. In den
nächsten Tagen werden wir Anna-Lena immer wieder hier vor einer vollen Schüssel
finden, sie liebt das thailändische Essen.
Am
nächsten Morgen laufe ich über den Strand. Kein Mensch, bis auf eine Japanerin im langen weißen Kleid, die ein malerisches Bild vor dem Meer abgibt. Weiter weg einige Hunde, die
im Sand nach Meeresgetier suchen. Sie verziehen sich in den Urwald, wenn ich
komme. Irgendwo
dahinter soll ein Königsschloss liegen, von dort höre ich Menschlaute. Der
Dunst hat sich gelichtet, die Sonne steht im blauen Himmel, auch das Meer ist
tiefblau. Schließlich
machen spitze Korallen-Riffe und Mangroven mit ihrem dichten Wurzelwerk das
Weiterkommen unmöglich. Als ich zurückkehre, sitzen meine Damen schon am
Frühstückstisch. Dagmar und ich bestellen kontinentales „Breakfast“: Müsli,
Schinken, Spiegelei; Anna-Lena natürlich Thailändisch, Reis, Gemüse mit Ei.
Heute ist „Chill-Out" angesagt: Baden im Meer, Liegen in der Hängematte, Lesen
usw. Abends ist die Flut wieder weg. Ich mache einen Spaziergang durch das
„Wattenmeer“. Viele kleine Tümpel, in denen winzige Fische schwimmen und
Krabben umher schießen. Große Seegurken liegen darin. Überall kleine
Korallenbänke, Korallen verschiedenster Art. Die meisten sind tot. Die
Meeresverschmutzung hat auch hier Einzug gehalten. Klar, Tourismus erzeugt
Abwässer. Es gibt zwar Sickergruben, aber hier fließt noch viel ins Meer, wo
soll es auch sonst hin? Aber wenn die Flut kommt, ist das Wasser doch sehr klar
und man schwimmt sehr schön darin.
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Morgens am Strand - noch ist das Meer tiefblau |
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Blick über den Strand - im Hintergrund Anlegestellen und Boote der "Seenomaden |
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Tagsüber sind Strand, Baden und erholsame Tätigkeiten angesagt
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Spaziergang am Abend. Das Meer weicht zurück - Felsen kommen hervor |
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Koralle (?) im "Watten-Meer" |
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Seegurke |
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Kleiner "Drache" an Land |
Am
nächsten Tag mache ich mit Anna-Lena eine Wanderung am Strand entlang, in die
andere Richtung, die ich gestern gegangen bin, Richtung Dorf und Ao Nang. Wir
kommen an den armseligen Hütten der „Seenomaden“ vorbei. Ihre Holzboote liegen
in Wasserläufen, die ins Meer führen. Oben an der Straße haben sie Stände, an
denen sie ihre Fische, wohl vor allem an Restaurantbesitzer, verkaufen. Sie
sind eine alte Bevölkerungsgruppe mit eigener Religion (Animismus) und Sprache,
eigenen Sitten und Gebräuchen. Früher zogen sie von Insel zu Insel, von Fanggebiet zu Fanggebiet und führten eine
Art von „Zigeunerleben“. Heute versucht die Regierung, sie sesshaft zu machen
und ihnen die thailändische Staatsbürgerschaft zu geben. Ihre eigenständige
Kultur und Lebensweise geht dabei verloren. Wegen der Naturschutzgesetze dürfen
sie auch vieles, was da Meer hergibt, nicht mehr fangen, z.B. Schildkröten.
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Ostasiatisches Flair - Aussichtspunkt über dem Strand |
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Ein "See-Nomaden"-Boot |
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Das sterile "Luxus"-Ressort |
Überall
ist hier Tsunami-Gebiet, Schilder weisen darauf hin, auch wo die Rettungspunkte
auf den Hügeln sind. Ein Österreicher, der neben uns in einer Hütte wohnte, oft
in der Gegend ist und den Tsunami erlebt hatte, erzählte uns, wie es zuging.
Die Wellen waren hier wegen der vor gelagerten Inseln nicht so schlimm wie in
Phuket. Aber sie haben in Ufernähe viel zerstört. Die Seenomaden erkannten die
Vorzeichen und konnten sich retten. Aber ihre Lebensgrundlage, die Boote, waren
verloren. Nach der Katastrophe gab es Hilfe aus dem Ausland und Inland. Man
musste beim Bürgermeister die Schäden anmelden und mit Besitzpapieren belegen,
dann erhielt man Entschädigungen. Natürlich sei das meiste dem Bürgermeister
und seinen „Spezis“ zugute gekommen. Die Seenomaden hatten keine Unterlagen und
Papiere – die meisten sind sowieso Analphabeten. So gingen sie leer aus. Der
Österreicher erzählte uns, dass er unabhängig von einer Hilfsorganisation Geld
für die Seenomaden gesammelt und ihnen so bei der Wiederbeschaffung von Booten
geholfen habe.
Nach
einiger Zeit gelangen wir in ein großes Urlaubs-Ressort. Gepflegte Wiesen- und
Parkanlagen, moderne Apartmentgebäude, Aufenthalts- und Restauranthallen. Alles
sehr luxuriös. Wir wandern durch die Anlagen und Hallen, die Angestellten
beachten uns nicht weiter. Viele Gäste scheint es nicht zu geben. Wir sehen
einige gut gekleidete junge japanische Paare. Als wir aus der Empfangshalle
heraustreten, sind wir in einer kleinen touristisch
aufgemachten Ansiedlung, Restaurants, Villen usw. Wir nehmen ein Tuk-Tuk und
lassen uns zu den „Pine Bungalows“ zurückfahren. Dort fühlen wir uns wohler,
als in der Luxus-Anlage.
Für den
nächsten Tag haben wir eine „Insel-Tour“ gebucht. Anna-Lena kann leider nicht
mit, da sie sich beim Strandlaufen am Fuß verletzt hat. Ein Lastwagen mit
Sitzbänken auf der Ladefläche holt uns ab. Er fährt von einer Bungalow-Siedlung
zur anderen und sammelt die Kunden ein. Wir sehen, es gibt hier im Wald und am Strand
viele solcher Siedlungen. Die Hütten sehen manchmal reichlich primitiv aus,
aber fast immer bunt. Ist was für Alternativ-Urlauber hier.
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Bunte Hütten zwischen den Bäumen |
Erlebnisse beim „Insel-Hopping“
Nach
Krabi Town geht es wieder Richtung Meer auf die Hafenstraße. Hier ist was los.
Bars, Restaurants, Schiffsagenturen. Eine Menge Menschen irren umher, andere
stehen in Gruppen herum. Im Wasser liegen viele große Longtail- Boote mit
Leinwanddach dicht an dicht und harren auf die Ausflügler. Guides
laufen herum und schreien: Here the Group of …agency! Come with me! Unsere Lastwagengruppe hat
verschiedene Ziele und hat sich im Nu zerstreut. Wo müssen wir hin? Schließlich
finden wir den Guide unserer Inseltour und unseres Reisebüros. Ein junger Thai
mit bester Laune, lückenhaften Zähnen und breitem Englisch. Er sammelt seine
Gruppe um sich, die Karten werden kontrolliert und dann geht´s zum Boot. Aber
so einfach ist das nicht! Es heißt die Hosen hochkrempeln und durch´s Wasser
waten! Schließlich sind wir alle im Boot. Ein junger Bursche sitzt hoch am
Heck, die Stange in der Hand, mit der der vorsintflutliche Dieselmotor und die
weit außen hängende Schraube bewegt werden. Der Motor heult auf und der junge
Mann steuert mit seinen verstümmelten Fingern (ein Opfer der Schiffsschraube?) das
schwere Gerät rückwärts äußerst geschickt durch die Reihen der Boote, die zum
Teil ebenfalls los fahren. Den Motor an der Stange zu bedienen ist ein
Kraftakt! Wir atmen auf, als wir ins freie Fahrwasser kommen. Vor uns hoch
ragende Felsen. Sieht wie in James-Bond-Filmen aus, deren einige hier auch in
der Gegend gedreht wurden.
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Warten auf Guide und Boot |
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Nun sitzen wir im Boot - dicht gedrängt. Der Guide im Schneidersitz |
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Der vorsintflutliche Bootsmotor |
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Railay in Sicht |
Alle Namen
der vier Inseln, die wir besuchen wollen, weiß ich nicht mehr und auch die
Reihenfolge habe ich nicht mehr so genau in Erinnerung. Ich glaube, das erste
Ziel, das wir angesteuert haben, war Rai Leh Beach (Railay), eine Krabi
vorgelagerte Halbinsel. Eigentlich wollten wir hier unsere Urlaubstage
verbringen, weil sie als „eine der spektakulärsten Reiseziele im Süden
Thailands“ angepriesen wird. Wie sind froh, dass ich nicht hier gebucht habe.
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Karte Halbinsel Railay. Rechts der rote Punkt ist Krabi. Links unten auf der Halbinsel ist der Strand von Railay, wo wir angelandet sind. |
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Boote vor Railay |
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Felsklötze im Wasser |
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Am Strand |
Die Boote
entleeren Massen an Touristen an den schönen schmalen Sandstrand, hinter dem
steile Kalksteinfelsen aufragen. Phantastische Landschaft! Dicht an dicht
lagern sich die Leute auf den Strand oder stehen im flachen Wasser herum. Wir
flüchten und wandern den Strand entlang. Gleich kommt ein luxuriöses Ressort,
in das aber Zäune, Schilder und Wächter den Eintritt verwehren. Wir laufen
weiter und gelangen in ruhigere Zonen.
Am Ende
des Strandes versperren Felsen den Weiterweg. Kletterer steigen empor oder
seilen sich ab. Railey ist ein Paradies der Kletterer. In den Felsen hat es große
und hohe Höhlen.
In ihnen erheben sich bunte und mit Blumen bekränzte Pfähle, allerlei Gaben
davor. Bei näherem Zutreten sehen wir, dass die Pfähle Priapen, Penisse
darstellen. Wer mag sie wohl und zu welchem Zweck errichtet haben? Meine
Vermutung ist, dass sie von Fischern, vielleicht Seenomaden, errichtet wurden,
die damit eine Meeresgöttin oder Seegeister, deren Altar nebenbei steht, besänftigen und zum Erfolg beim Fischfang
animieren wollen. Die umstehenden Leute grinsen und fotografieren. Dann gehen
wir zurück, um das Ressort herum und gelangen auf einen Weg, der zum Ufer auf
der anderen Seite, führt. Es geht unter überhängenden Felsen hindurch. Auch
wieder phantastisch! Das andere Ufer hat ebenfalls einen Strand, der ist aber
steinig und wenig zum Baden geeignet. Wir sehen einige Ressorts, die einfacher
ausschauen, als das auf der gegenüberliegenden Seite. Hier sieht man nur wenige
Menschen, aber an den Wänden hängen die Kletterer. Wir kehren wieder zurück.
Das Boot ist auch schon abfahrbereit.
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Die "Kulthöhle"... |
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... mit bunten Priapen als Opfergaben... |
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...an die Meerjungfrauen |
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Unter Felsen führt der Weg... |
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...zur Westseite Railays |
Nun
geht´s zu einer Insel, deren Felsen sich steil aus dem Wasser heben. Das Boot
hält, und wir erhalten Schnorchel und Tauchbrillen. Das Wasser ist bewegt, aber
wenn man taucht, sehr klar. Um uns schwimmen kleinere Fische, gelb und mit
Streifen. Sie nähern sich uns und manche reiben sich an meiner Haut. Ihr
Schuppenkleid ist ziemlich rauh.
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Die "Schnorchel" - Insel |
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Fische in ihrem Element |
Die
nächste Insel – sie heißt Poda - ist flach, sandig und Baum bestanden. Auch
hier landen wieder viele Touristen an. Offenbar ist das die Insel, wo allgemein
Mittagspause gemacht wird. Die Guides packen Verpflegung aus. Bei unserem Guide
gibt es Hühnchenfleisch, Reis und Gemüse. Außerdem Getränke. Wir lassen uns am
Strand nieder. Aber wer meint, in Ruhe essen und trinken zu können, täuscht
sich. Die Insel ist nämlich von Affen bevölkert. Die sind schon herbeigeeilt,
um ihren Teil ab zu bekommen. Sie sind unglaublich frech. Sie wühlen in abgestellten
Rucksäcken und holen heraus, was ihnen essbar erscheint. Aber auch eine Mütze
oder einen Fotoapparat nehmen sie schon einmal mit. Kindern entreißen sie die
Wasser- oder Colaflaschen, schrauben sie geschickt auf und heben sie an die
Mäuler. Sieht putzig aus, wie sie trinken, sehr menschlich. Wehrt man ihnen,
dann fletschen sie ihr gefährlich aussehendes Gebiss.
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Die Boote landen in Poda an |
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Die Passagiere verteilen sich am Strand |
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Ich lese erstmal, wohin man sich flüchten soll, wenn ein Tsunami kommt: 500 m Insel einwärts |
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Die Affenmutter und ihr Kleines beobachten das Menschen-Spektakel |
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Der Alte hält Ausschau, was man stibitzen kann |
Allmählich
beruhigt sich die Szene, die Affen haben ihren Teil, ziehen ab oder
beschäftigen sich anderweitig, mit ihren Kleinen, mit Lausen, Streit oder
Anbandeln mit dem anderen Geschlecht. Auch sehr menschlich. Was das für eine
Sorte von Makaken ist, weiß ich nicht, aber in der Affenauffangstation in
Riudellots, die wir nach unserer Rückkehr besucht haben, haben sie einige dieser
graubärtigen Exemplare und ich erfahre, dass sie sehr intelligent sind und fast
schon zu den Menschenaffen gehören.
Es ist
uns gelungen, die Affen fern zu halten, und wir sind satt geworden. Wir machen
einen Spaziergang über die Insel. Unter Bäumen steht ein Gebäude, wohl ein
Restaurant oder Hostal, das aber geschlossen ist. Dafür gibt es einen Essstand.
Auch ein Altar mit Opfergaben darf nicht fehlen. Ein Schild warnt vor der
Tsunami-Gefahr und zeigt an, wie hoch das Wasser 2004 stand: 4 m. Die Händler verlassen
die Insel sicher abends.
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Hier ist der Tisch für die Geister gedeckt... |
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... und hier für die Menschen |
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Man badet ...oder vertreibt sich die Zeit sonstwie... |
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...mir gefällt es hier.. |
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...aber die Insel ist ein bedrohtes Paradies! |
Das Boot
bringt uns zur nächsten Insel. Klein und lang gestreckt, rechts und links
erheben sich Baum bestandene Hügel, in der Mitte ein schmaler Sandstrand.
Rechts auf dem Hügel ein Tempelchen. Inzwischen haben sich tief hängende Wolken
zusammengebraut. Die Monsunzeit naht und der nachmittägliche Regen setzt ein.
Und was das für ein Guss ist! Unglaublich, was da herunterkommt! Man sieht
keinen Meter weit mehr, alles ist in Regen und Dunst gehüllt. Guide und
Bootsmann packen Planen über das Verdeck, aber das nützt nicht viel. Wir werden
bis auf die Haut nass. Also die Klamotten ausgezogen und rein ins warme
Uferwasser, nass sind wir eh schon! Der Guide hat uns zwar beim Anlaufen wegen
der Haie vor dem Baden gewarnt, aber wo so viele Menschen dicht gedrängt im
Wasser stehen, traut sich kein Hai heran. Während dessen angelt der Guide
seelenruhig mit einer Schnur und zieht bald einige der gelb gestreiften Fische
aus dem Wasser, sicher sein Abendessen. Andere fangen die Fische mit der Hand,
lassen sie aber wieder frei. Schnell ist die Husche vorbei, die Sonne brennt
wieder und wir hängen die nassen Sachen zum Trocknen auf.
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Longtail-Schraube im Monsunregen |
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Der Himmel öffnet seine Schleusen - die Insel im Hintergrund ist nur noch als Schemen zu erkennen |
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Der Regen ist vorbei...alles ist pitschnass |
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Nach dem Regen - Blick von der Insel |
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Fahrt von Krabi (-Meer) zurück zu den Pine Bungalows |
Ich wate
an den Strand – bei Flut soll er oft verschwinden – und ich pilgere mit anderen
Besuchern die Treppen zum Tempelchen hinauf. Hier blickt man über das Meer mit
kreuz und quer shippernden Longtails und Felseninselchen bis zum Festland
Mit
knatterndem Motor und hoher Geschwindigkeit fahren wir nach Krabi zurück.
Natürlich laufen alle Boote gleichzeitig ein. Inzwischen ist die Flut gekommen
und wir müssen durch Oberschenkel hohes Wasser an Land waten. Macht nichts, die
Hosen sind sowieso nass. Der Guide hilft mit sichtlichem Vergnügen den Frauen
auf´s Trockene. Seine gute Laune die ganze Fahrt über war ansteckend! Er hat´s
gut, er hat durch den Tourismus einen Job!
Als wir
in den Pine Bungalows eintreffen, sitzt Anna-Lena mit zwei jungen Norwegern und
einem israelischen Mädchen zusammen, Sie haben sich gut unterhalten und den Tag
über die Speisekarte rauf und runter gegessen.
Stadtbummel in Krabi
Am
nächsten Tag lassen wir uns, d.h, Dagmar und ich, nach Krabi fahren,
Stadtbummel. Krabi ist eine ziemlich gesichtslose moderne Stadt mit vielen
Geschäften, hat dabei aber natürlich asiatisches Flair. Auf einem Hügel über
dem Geschäftsviertel sehen wir einen großen Tempel und steigen die Treppen zu
ihm hinauf. Er nennt sich Wat Kaewkorawaram und wird der "Weiße Tempel" genannt, was bei seinem Anblick nicht verwundert ( siehe Foto unten). Er stammt aus jüngerer Zeit und stellt für uns trotz seiner aufwendigen Verzierungen nichts Besonderes
dar. Was uns auffällt, ist ein Tiger auf einem Felsen und eine Elefantenkuh mit
ihrem Jungen vor einer Höhle inmitten eines Parks. Die Tiere wirken sehr
lebendig, sind aber künstlich. Das Ganze geht auf ein berühmtes Höhlen-Heiligtum in den
nahen Bergen zurück (Wat Tham Sua), in dem ein Einsiedler mit einem Elefanten und einem Tiger
friedlich zusammengelebt haben soll. Da nicht jeder ständig zu dem Heiligtum
pilgern kann, hat man das Ensemble einfach in der Stadt wieder aufgebaut.
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Origineller "Ampel-Träger" an einem Verkehrsmittelpunkt Krabis. Geht der Typ auf praehistorische Funde in der Nähe von Krabi zurück? |
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In diesem Haus wohnen wohl nur Puppen! |
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Krabis großer Tempel im weißen "Zuckerbäckerstil" |
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Der Naga-Schlangenkopf blickt böse - wegen unserer Lästerungen über den Tempel-Stil? |
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Viharn - außen / innen |
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Süße "Miezekatze" - ist aber nicht echt! |
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Auch die zwei sind rührend - aber wohl auch aus Plastik |
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Abendlicher Ess-Markt in Krabi |
Nachdem
wir einige Geschäfte besucht und eingekauft haben, spazieren wir zum Flussufer.
Dort wird abends ein großer Ess-Markt abgehalten. Wir schlendern von Stand zu
Stand und betrachten die lecker aussehenden Speisen. Schließlich hole ich mir
einen gebratenen Fisch, Dagmar hat eine andere Mahlzeit ausgewählt. Wir setzen
uns an einen Tisch und verspeisen alles mit großem Appetit. Es hat mal wieder
köstlich geschmeckt und ist uns gut bekommen.
Am
nächsten Tag ist Abreisetag. Wir bekommen die Rechnung für die leiblichen
Genüsse in den Tagen hier präsentiert – sie hält sich in Grenzen – hinterlassen
ein gutes Trinkgeld und werden freundlich verabschiedet.
Noch einmal Bankok
Wieder
ist der Flug problemlos und wir landen in Bangkok. Mit einem Taxi fahren wir in
unser früheres Hostel, das Baan Dinso. Dort werden wir wie alte Bekannte
begrüßt. Da es der Abschiedabend mit Anna-Lena ist, gehen wir abends in ein
elegantes Hotel-Restaurant am Fluss essen. Hier steigen Prominente ab. Tische
fein gedeckt, Mückenspray, Seife und Deodorant auf dem Tisch. Lichter der
Hochhäuser an beiden Ufern, auf dem breiten Fluss bunt beleuchtete
Restaurant-Dschunken, romantische Atmosphäre. Doch das Essen ist mäßig, an den
Strassen und im Pine Bungalow waren die Gerichte origineller und haben uns
besser geschmeckt.
Am
nächsten Tag entschwindet Anna-Lena nach dem Frühstück Richtung Flughafen. Ein
bisschen Wehmut Aber es war schön, dass
wir uns hier auf halbem Weg zwischen Europa und Australien getroffen haben. Wir
hatten eine gute und erlebnisreiche Zeit zusammen.
Wir haben
noch drei Tage in Bangkok vor uns, am dritten müssen auch wir abends abfliegen.
Die Tage sind mit Bummeln, Essen und Besichtigungen ausgefüllt. Wir entdecken
ganz in der Nähe von unserem Hostel eine vegetarische Ess-Stube. Die Besitzerin
und Köchin beäugt uns beim Betreten misstrauisch. Was wollen die Europäer in
diesem sonst nur von Thais besuchten Laden? Und ob ihnen die Speisen hier
schmecken werden? Sie schmecken wunderbar! Die verschieden zubereiteten Tofus
sind köstlich!
Wat Phra Kaeo – das "Heiligtum des Smaragd-Buddhas" und der „Große Palast“
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Der "Smaragd-Buddha" (Bild: wiki / madolora) |
Ein
Höhepunkt war die Besichtigung des Wat Phra Kaeo, des „Großen Palastes“ mit dem
Tempel des „Smaragd-Buddhas“. Das Wat Phra Kaeo ist ein königliches Heiligtum
„ersten Ranges“, in dessen Bereich auch die frühere Residenz der jetzigen
Königsdynastie lag, der „Große Palast“. Hier lebten und leben keine Mönche, die
Anlage ist der königlichen Verehrung, vor allem des „Smaragd-Buddhas“ gewidmet,
wobei auch das Volk einbezogen wird. Der Bau des Bezirks wurde vom Gründer der
Chakri-Dynastie, König Rama I. (1782-1809) begonnen, nachdem er die Hauptstadt
Siams nach Bangkok und dort auf das rechte Ufer verlegt hatte. Ab 1782 wurde
der Palast erbaut, dann der Smaragd-Buddha-Tempel. Die Buddhastatue und der Ort
genießen höchste Verehrung in Thailand, der Buddha gilt als der Schutzherr
Thailands.
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Wat Phra Keo - das Heiligtum des Smaragd-Buddhas (Postkarte) |
Der Smaragd-Buddha hatte, vielleicht aus Indien stammend, eine wechselvolle
Geschichte hinter sich, ehe er nach Bangkok kam. Im Jahre 1434 traf ein
Blitzschlage einen Chedi (Reliquienturm) eines Klosters in Chiang Rai im Norden
Thailands. Eine mit Gips überzogene Buddhastatue kam zum Vorschein. Der Abt des
Klosters entdeckte, dass das Bildnis im Inneren grün war und nahm an, dass die
Figur aus Smaragd hergestellt sei. In Wirklichkeit handelt es sich um Jade,
aber der Name blieb. Über verschiedene Stationen und Umstände kam die Statue
nach Vientiane. Der spätere König Rama I. eroberte diese Stadt als General und
brachte den Buddha nach Thailand zurück. 1784 wurde er in seinen heutigen
Tempel überführt.
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Stammlinie der Könige der Chakri-Dynastie - oben: Rama I., unten rechts: der jetzige König Rama IX. (Bhumibol Adulyadeyi) (Tafel Museum des Großen Palastes) |
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Die Könige Rama I. bis Rama IX. ( der jetzige in der Mitte unten. Inzwischen ist er 88 und sehr krank) |
Am frühen
Sonntagmorgen machen wir uns auf den Weg zum Heiligtum. Nach längerem Fußmarsch
gelangen wir an die Mauer, die das heilige Areal umschließt. Wir finden ein
kleines Tor, vor dem ein Wächter steht. Er belehrt uns, dass das Heiligtum für
Touristen erst gegen Mittag geöffnet werde. Heute sei ein großes Fest, bei dem
nur Buddhisten zugelassen seien. Der Smaragd-Buddha erhält nämlich seine
„Sommer-Bekleidung“. Es ist Tradition, dass die Statue drei Mal im Jahr, zu
Beginn des Sommers, der Regenzeit und des Winters, spezielle Kleidung erhält.
Der König, und im heutigen Fall der Thronfolger, führt die Zeremonie des Kleidungswechsels
durch und sprengt dabei heiliges Reinigungswasser auf die Teilnehmer.
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Das kleine Tor |
Außerdem
macht mich der Mann darauf aufmerksam, dass ich mit meiner adretten Dreiviertels-Hose
nicht in den Tempelbezirk komme. Wir ziehen ab. Gleich kommt ein anderer Thai
auf uns zu und verwickelt uns in ein Gespräch. Er behauptet, das Heiligtum
werde für uns erst am Nachmittag geöffnet. Er würde uns gerne in der
Zwischenzeit andere Sehenswürdigkeiten und preiswerte Geschäfte zeigen. Mir
liegt auf der Zunge, ihn zu fragen, ob er Buddhist sei, und ob er wisse, dass
Buddha seinen Anhängern Wahrhaftigkeit auferlegt habe. Ich unterlasse das aber
und lehne sein Angebot höflich dankend ab. Glücklicherweise gibt es gleich
nebenan einen Trödelmarkt. Schnell finde ich ein paar lange Hosen und werde mit
dem Verkäufer Handels einig. Die Hosen schlottern um mich, aber Buddha wird mir
das verzeihen.
Wir
bummeln noch weiter über den Markt, erstehen einige Buddha-Amulette, nehmen
eine kleine Stärkung zu uns und schon ist die Zeit der Öffnung gekommen. Wir
streben zum Haupteingang und sehen entsetzt bereits riesige Schlangen davor
stehen. Glücklicherweise ist es da, wo Gruppen durch gewunken werden, am vollsten. Wir nehmen eine Nebenschlange, und irgendwie
sind wir dann doch ziemlich schnell im Gelände. Mit uns strömen Heerscharen
hinein, meist unter Führung eines oder einer winkenden und schreienden
Führungsperson. Viele Japaner und Chinesen, die brav hinter ihrem Guide
trippeln. Natürlich streben alle zum Tempel des Smaragd-Buddhas. Wir schlagen
uns seitwärts und gehen andere Wege. Mit einem Plan in deutscher Sprache, den
wir beim Eintritt erhalten haben, können wir uns leidlich orientieren. Das
Areal mit seinen großen und kleinen Tempeln, anderen Gebäuden, Türmen, Statuen,
Grünflächen ist wahrhaft riesig. Alles prächtig, vieles bombastisch. An den
unterschiedlichen Stilen der Bauwerke kann man erkennen, dass hier unter den
verschiedenen Königen immer wieder Neues hinzugefügt wurde. An den frischen Farben wird deutlich, dass auch
immer wieder renoviert wurde und wird. Man kann unmöglich alles anschauen und
beschreiben.
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Gedränge am Eingang |
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Terasse inmitten des "königlichen Klosterbezirks": Prangs, Chedis, Figuren...Besucher |
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Reliquienschrein Phra Siratana Chedi |
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Mondop (Bibliothek) |
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Tor mit Wächterfiguren |
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Reich verzierte Dächer |
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Außerhalb des Zentrums: Thron- und Empfangshalle (Chakri Maha Prasat / 1872)) des Königs Chulalongkorn |
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Blick "hinter die Kulissen" der Anlage |
Geblieben
ist mir der Eindruck von den Bildern an den Wänden der Wandelhallen um den
Haupttempel. Sie stellen das Ramakien dar, die thailändische Version des
indischen Ramyana-Epos. Der göttliche Rama, alias Rama I., besiegt das Böse in
der Gestalt eines dämonischen Gegners (Ravana/Thotsakan) und befreit seine Gemahlin aus dessen
Klauen. Ich habe darüber schon in meinem ersten Reisebericht geschrieben.
Außerdem gefallen mir die bizarren Figuren, mythische Gestalten wie die
Kinnaras, halb Vogel, halb Mensch oder grausige Wächterfiguren. Es gibt auch
ruhige Orte, ein Einsiedler-Garten, Becken mit Lotosblüten, kleine Tempelchen,
das Museum…
Nachdem sich
der Andrang zum Smaragd-Buddha-Tempel etwas gelichtet hat, lenken wir unsere
Schritte dahin. Vor dem Aufgang ziehen wir unsere Schuhe aus. Die Wände der
Halle sind mit farbigen Bildern aus dem Leben Buddhas bedeckt. Auch eine
Darstellung des buddhistischen Kosmos, der „Drei Welten“ mit ihren Wesen, ist
zu finden: Welt der Sinnlichkeit, Welt der Begierdelosigkeit, Welt der Formlosigkeit
und reinen Geistigkeit.
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Alles strebt zum Tempel des Smaragd-Buddha |
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Der Mittelpunkt des königlichen Klosters: der Tempel des Smaragd-Buddha |
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Hier thront die verehrte Figur |
Im
Mittelpunkt der Halle erhebt sich ein 11 m hoher Podest, in Stufen sich nach
oben verjüngend. Er wird von schlanken Buddhafiguren mit schönem Antlitz
flankiert, die auf niedrigeren
Podesten stehen. Sie sind den Königen
Rama I. und II. gewidmet. Auf den Stufen des Hauptpodestes erheben sich weitere
Bildnisse des Erleuchteten. In halber Höhe des Gestells – wie in einem Schoß –
sitzend ein kleinerer Buddha. Alle Figuren in Haltungen von bestimmter
Bedeutung. Ganz oben endlich thront die
Smaragd-Figur, bekrönt von einem spitz zulaufenden Baldachin. Alles,
aber auch alles, erstrahlt in Goldglanz. Das Auge ist geblendet von so viel
Pracht. Aber ein wenig sind wir
enttäuscht von der verehrten Figur. Sie ist winzig, nur ca. 60 cm hoch.
Fotografieren darf man nicht, ich tue es von außen, wodurch aber das Bild sehr
unscharf ist.
Gläubige
knien andächtig vor dem Winzling in luftiger Höhe, dessen Einzelheiten man kaum
erkennen kann. Das berührt, aber ich frage mich, wie diese Pracht und
Figürlichkeit mit dem ursprünglicher Lehre und dem Leben des Stifters vereinbar
ist. Warum so viele Figuren des Buddha? Würde nicht eine genügen, auf die sich
der Betrachter konzentrieren und in ihre Aussage vertiefen kann?
Wir gehen
noch ein wenig hin und her, besichtigen dies und das und verlassen dann das
heilige Gelände. Nicht weit dem Eingangstor gegenüber liegend stoßen wir auf
einen schmutzigen Wasserlauf. An seinem Ufer stapelt sich der Müll. Darüber erhebt
sich ein Monument, das in seinem Inneren eine Statuette der Erdgöttin birgt.
Aus ihren Haaren fließt das Fruchtbarkeit spendende Wasser. Welche ungewollte Ironie!
Etwas weiter weg ein Traditions-Hotel. Über dem Portal das riesengroße
Konterfei des lächelnden Königspaares. Wir treten ein. Kolonialstil, etwas
heruntergekommen. Bedienung freundlich, Kaffee und Kuchen gut.
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Denkmal vor der Anlage des "Großen Palastes" |
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Hier wird die Wasser spendende "Große Erdgöttin" verehrt |
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Schmutziges Wasser und Müll zu ihren Füßen |
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Das Königspaar lächelt |
Auf der
breiten Hauptstraße marschieren wir heimwärts. Auf dem breiten Trottoir eine
endlose Reihe von Ständen, auf deren Tische Lose ausgebreitet sind. Wo viel
Armut herrscht, bleibt nicht nur die Hoffnung auf die Erlösung durch die
Religion, sondern auch das
Hoffen auf das Zufallsglück. Aber wer soll so viele Lose kaufen und wovon leben
die Losverkäufer? Dieses Land gibt viele Fragen auf und lässt viele
unbeantwortet.
Abends speisen
wir wieder in unserer vegetarischen Esstube. Diesmal empfängt uns die Wirtin
lächelnd. Sie weiß, dass uns ihre Gerichte schmecken. Als Nachtisch schenkt sie
uns Obst.
Eine Mönchs-Weihe und ein gescheitertes Gespräch mit einem Mönch
Am
nächsten und letzten Tag, dem Montag machen wir uns nachmittags zur Kaosan-Road
auf, der Touristenstrasse. Wir nehmen Nebenstraßen, die mit ihren Läden,
Werkstätten und Auslagen immer interessant sind. Überall hängen große Bilder
des Königs. Wir kommen an einer Klosteranlage vorbei, kein Tourismus-Tempel.
Thais, teilweise festlich gekleidet, strömen hinein. Neugierig schließen wir
uns an. Am Tempeltor wird uns der Eintritt von einem Mann, der offenbar mit dem
Tempel verbunden ist, verwehrt. Wir dürfen aber von außen hineinblicken. Wir
sehen im Inneren Mönche auf Matten knien, vor dem Altar der Abt. Ein junger
Mann, weiß gekleidet und mit kahl geschorenem Kopf, vor ihm. Ein Novize erhält
die Mönchsweihe. Unter ständigen Verbeugungen, monotonen Rezitationen und
Gesängen entledigt er sich seiner Kleidung bis auf die Lenden. Dann wird das
orangenfarbige Mönchsgewand gebracht und kunstvoll um seine Schultern
geschlungen. Auch die Schüssel erhält er, in die beim morgendlichen Gang
Gläubige Speisen füllen werden.
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Kaosan-Road - Treffpunkt der Touristen |
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Oben / Unten: Weihe eines Mönches |
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Junger Mönch |
Die
Zeremonie zieht sich hin und ich lasse mir die Vorgänge von dem erwähnten Mann
erklären. Als er bemerkt, dass ich Interesse am Buddhismus habe, und er mir
nicht alle Fragen beantworten kann, empfiehlt er mir, ein Gespräch mit einem
alten Mönch. Er gibt mir dessen Karte. Ich lese neben dem Bild eines hageren
Alten: With Blessing from Ven. Worn Varattito, Adresse, Telefon, Fax. Dann
erklärt er mir den Weg zu ihm.
Ich laufe
durch die ausgedehnte Anlage. So ein Kloster hat wie bei uns viele Gebäude und
Einrichtungen. Schließlich komme ich an das mir gewiesene Haus. Ich läute, ein
Mann, kein Mönch, kommt heraus. Ich bringe mein Anliegen vor und er führt mich
in einem überdachten Hinterhof. Er bedeutet mir, hier zu warten. Etwas weiter
vor mir sehe ich den alten Mönch. Er sitzt in Meditationshaltung. Vor ihm eine
junge Frau, Europäerin. Offenbar hat sie Kinder mitgebracht, zwei europäisch
aussehende und ein Thai-Junge. Sie
treiben lautstark Unfug um mich herum, sie
langweilen sich. Ich versuche, sie abzulenken und zu beruhigen. Die
junge Frau sieht ziemlich verzweifelt aus, offenbar hat sie große Probleme, die
sie dem Mönch vorbringt. Der hört zu, schweigt bis auf wenige Worte, nickt hin
und wieder mit dem Kopf. Das Gespräch zieht sich. Die junge Frau steht auf und
wendet sich mir zu. Sie bittet mich um Geduld, sie hätte viel mit dem Mönch zu
besprechen. Sie deutet auch an, worum es geht. Sie ist Deutsche, Auswanderin,
lebt in Bangkok, ihr Mann hat sie verlassen, sie hat große wirtschaftliche
Probleme, muss aus der Wohnung, die Kinder seien schwierig, deren Freund, der
Thai-Junge, übe einen schlechten Einfluss aus, wie ich ja sehe. Ich drücke ihr
mein Mitgefühl aus. Klar, dass sie vor meinen neugierigen Wissensfragen Vorrang
hat. Ich frage mich aber, ob der Mönch die richtige Anlaufstelle für ihre
Sorgen ist. Da unsere Zeit begrenzt ist, gehe ich wieder. Schade, so scheiterte
mein Versuch, mit einem Mönch über den Buddhismus zu sprechen. Es sollte wohl
nicht sein.
Ich kehre
zum Tempel zurück. Die Zeremonie ist beendet. Jetzt hat ein Fest begonnen.
Die Thais
sitzen gut gelaunt und schwatzend an Tischen und essen. Am Tempel-Tor stecken
bunte Wimpel mit Geldscheinen. Wir laufen um den Tempel herum, steigen auf eine
Plattform, bestaunen kunstvoll gearbeitete Dächer und eine Reihe von
Buddha-Figuren. Mit Hilfe eines Buches entschlüssele ich ihre Haltungen. Jede
bringt einen Aspekt Buddhas und seiner Lehre zur Geltung. Die vielen
Gestaltungen Buddhas haben also schon ihre Bedeutungen für Gläubige. Auch die
Dächer haben ihre Symbolik. So weisen drei gestaffelte Dach-Teile eines Tempel-Gebäudes auf die drei Schätze des Buddhismus hin: Buddha, Dharma (Lehre) und Sangha (Mönchs-Gemeinschaft).
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Buddha-Figur mit erhobenen Händen. Dieses "Mudra" ist die Geste der Furchtlosigkeit und der Güte. Mit ihr ist eine Geschichte aus dem Leben Gotamas verbunden. Ein neidischer Mönch stiftete einen Mahout an, seinen Elefanten auf ihn los zu lassen. Der Buddha besänftigte das Tier mit dieser Geste. Sie drückt auch die Zähmung der Leidenschaften aus. |
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Die drei Tempel-Dächer symbolisieren drei Schätze: Buddha, Dharma (Lehre) und Sangha (Mönchs-Gemeinschaft) |
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Volksfrömmigkeit: Opferstätte an Baum |
Der
weitere Weg führt uns an einem großen Baum vorbei. Unter ihm kleine Figuren,
wohl volkstümliche Heilige oder Götter, vor ihnen Bänder und Opfergaben. Das
Spektrum der Religion in Thailand ist vielfältig und lebendig.
Abschied von Bangkok
Auf der
Kaosan-Road wie immer ein buntes Bild von Verkaufsständen, Händlern und
Menschen aus aller Welt. Anpreisen, Feilschen, Kaufen. Wir suchen Mitbringsel
und finden einige schöne preiswerte Schals. Dann verlassen wir das dichte
Gedränge und schlagen uns in eine Parallelstraße. Hier geht es ruhiger und
eleganter zu. Wir kommen an ein große Restaurant mit offener, wenn auch
überdeckter Terrasse. Ein riesiger Pappdämon im Hintergrund. Knusprig
aussehende Fische liegen auf einem Grill. Ich möchte den letzten Abend in
gepflegter Umgebung feiern und lade Dagmar zum Essen ein. Wie wir schon einige
Male erfahren haben, ist das Essen in diesen Restaurants eine Enttäuschung.
Dagmar ist vorsichtig und bestellt sich nur eine harmlose Kleinigkeit. Ich kann
nicht widerstehen und ordre einen der gebratenen Fische. Das sollte sich als
verhängnisvoll herausstellen.
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Nächtliche Kaosan-Road |
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Der Restaurant-Dämon, unter dem wir speisten |
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Die verhängnisvollen Fische |
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Abendliche Eindrücke in Bankok |
Abends
zum Flughafen. Der lange Rückflug beginnt. In Doha Zwischenaufenthalt. Raus
darf man nicht. Das Personal ist unfreundlich. In den Hallen ein Gewimmel von
Menschen, in Burnusse gehüllte Männer, bis auf die Augenschlitze verhüllte
Frauen. Viele Mekka-Pilger in weißen Gewändern, meist aus Indonesien.
Free-Duty-Geschäfte mit Gold, teurem Schmuck und Textilien. Wir müssen dringend wohin. Lange
Schlangen davor. Als Dagmar die Toilette verlässt, wird hinter ihr sorgfältig
geputzt, ehe Muslimas hinein dürfen. Sie könnte unrein sein. Wir wollen nie
mehr mit Qatar-Airways und Zwischenaufenthalt in Doha fliegen.
Ich komme
nicht vom Klo herunter. Der Fisch war offenbar nicht frisch und tut seine
Wirkung. Endlich wieder im Flugzeug, Essen, Schlafen, Filme sehen, sich ein
wenig die Füße vertreten. Die Fenster sind verhüllt, die Stewardessen sorgen
dafür, dass man nicht hinausgucken kann. Heimlich tun wir´s doch, schließlich
will man einen Blick von den Ländern erhaschen, über die man fliegt. Sonderbar:
Wir sind bei Sonnenuntergang weggeflogen, doch während des Fluges von Doha geht
sie bald wieder auf – Zeitverschiebung.
Mittags
kommen wir in Barcelona an. Wie geordnet und heimisch wirkt diese Welt auf uns,
die manchem Deutschen, der hier landet, bereits fremd und etwas chaotisch
vorkommen mag. Thailand ist schon anders als Europa. Und doch sind wir bei
aller Verschiedenheit eine Welt, eine Menschheit und miteinander verbunden.
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