Freitag, 29. Januar 2016

(1) Wir kommen in Thailand an...

Buddhistische Tempel Bankok Wat Phra Keo

Der Flug


Eine längere Zeit der Vorbereitung liegt hinter uns. Die Reiseroute ist ausgearbeitet und mit unserer Tochter Anna-Lena in Australien abgestimmt. Die Hotels sind gebucht, die Zugfahrten und Flüge reserviert – alles im Internet. Auch medizinisch haben wir vorgesorgt: Impfungen wurden überprüft und erneuert. Wir führen eine Menge NoBite mit uns – das beste Mückenmittel in den Tropen. Sohn Cornelius ist uns eine Warnung: er hatte sich das Dengue-Fieber in Thailand geholt. Auch Malaria Prophylaxe haben wir im Gepäck. Und Mückennetze für Betten. Mit dem Gepäck haben wir uns sehr beschränkt. Denn wir wollen beweglich sein. Sogar etwas Thailändisch habe ich gelernt.

Am 16.02.2013 besteigen wir in Figueres den Zug nach Barcelona. Wir sind etwas beklommen. Wird alles gut gehen? Überfordern wir uns nicht mit dieser Reise? Man hört und liest so vieles über Gefahren in dem Land, in das wir reisen: mangelnde Hygiene, Krankheiten, tropische Hitze, scharfes Essen, Armut, zudringliche „Helfer“, Diebstahl, Prostitution…
Andererseits: es fahren so viele nach Thailand und kommen unbeschadet wieder. Manche verbringen sogar ihr Alter dort. Aber wir haben uns noch überall durchgeschlagen. Wir sind gespannt…

In Barcelona Airport finden wir erst den für uns neuen internationalen Flughafen nicht. Ein Bus bringt uns dahin. Wir steigen in ein Flugzeug von Qatar-Airways ein – soll „die beste Fluggesellschaft der Welt“ sein, ohne nennenswerte Unfälle bisher. Rund 20 Stunden Flug mit Zwischenaufenthalt in Doha liegen vor uns. Wir heben über der wintertrüben und -kalten katalanischen Metropole ab. Nach dem Start machen wir es uns bequem. Vor uns ein kleiner Bildschirm, in dem es Informationen und Filme zu sehen gibt. So vertreiben wir uns die Zeit. Dazwischen gibt es Essen – warum servieren die Fluggesellschaften immer etwas mit Hühnchen oder weich gekochten Fisch? Dazwischen stehen wir auf und bewegen uns.

In Doha in Arabien - Landung. Nie etwas von Doha gehört! Muss aber eine große Stadt sein. Beim Anflug sehen wir im Dunkeln ein ausgedehntes Lichtermeer, Wolkenkratzer…
Der Flughafen ist riesig. Überall Wachen. In den Hallen ein buntes Gewimmel von Europäern, Arabern, Asiaten. Wir dürfen nur bestimmte Wege gehen, Pass- und Gepäckkontrolle, unnötig, aber Machtdemonstration – auch wir hier sind wer! Dann langes Warten im geschlossenen Bus vor dem Flugzeug nach Bangkok. Dieser Flughafen ist uns gründlich verleidet!

Endlich im Flugzeug. Wir erhalten Decke, ein Päckchen mit Schlafmaske, Zahnbürste, Ohrstöpsel  - und wieder Hühnchen. Und weiter geht der Flug über den Indischen Subkontinent – von dem wir nicht viel sehen, da die Fenster zugezogen werden – nach Asien.


Karte von Thailand ( Lonely Planet). Unsere Reiseroute: Bangkog - Ayutthaya - Chiang Mai - Krabi - Bangkok


1. Tag - Bangkok


Wir schlafen, so gut es geht, und sehen dazwischen Filme. Morgens pappiges Frühstück.
Bald Anflug nach Bangkok Savarnabhumi: von oben sehen wir Meer, Felder, Palmenhaine, dann große Häuserflächen mit kleinen Häuschen und Ansammlungen von großen modernen Bauten, dazwischen Wasserläufe und Straßenführungen. Auschecken, Visum, Gepäckabholung – ohne Probleme. Wir stehen in der Außenhalle – natürlich viel Betrieb, wie auf jedem internationalen Flughafen. Wir tauschen Geld um, besorgen uns einen Stadtplan und dann geht´s an einen zentralen Taxiverteilungsstand. Da wir Bescheid wissen, klappt alles bestens. Sofort haben wir ein klappriges Taxi. Wir wissen die Taxifahrer können meist kein Englisch und so händigen wir diesem eine    Anfahrtsskizze zum Hotel aus. Wir achten darauf, dass er den Meter einschaltet – und los geht es in atemberaubendem Tempo und mit rasantem Überholen. Breite mehrspurige (kostenpflichtige) Highways – immer wieder Bögen und Monumente mit dem farbigen Bild des Königs. Am Rande fliegen Grünzonen mit tropischen Bäumen, Hüttenansammlungen und moderne Viertel mit gigantischer moderner Grosstadtsilhouette vorbei.






Democracy-Denkmal


Trok Sin 
Eingang zum Baan Dinso-Hostal

Die Zimmer groß, sauber und mit allem notwendigen ausgestattet (Dusche, Klimaanlage). Die Fahrt verlangsamt sich, der Verkehr wird dichter. Im Schritttempo kommen wir an einen riesigen Verkehrskreisel. In der Mitte ein großes Monument, Das Democracy-Monument, erinnert an die Einführung der Demokratie in Thailand, ich glaube 1938. Wir sind im Zentrum von Bangkok. Und dann geht es links ab in die Dinso Road. Und da sind wir in Asien, Thailand. Enge Straße, auf dem Bürgersteig dichtes Gewimmel, kleine Geschäfte, überall in den Häusern winzige Restaurants, in denen gebruzzelt wird und aus denen Gewürzdüfte steigen, engste Seitengassen – sie heißen „Soi“ - mit Markständen, die allerlei Kram feil bieten. Vor einem Klong, einem schmutzigen Kanal, biegt der Taxifahrer in eine der engen Seitengassen ab und bleibt stecken: Trok Sin – wir sind angekommen. Rings herum Hütten mit offenen Türen, in denen Menschen sitzen, kochen, werkeln. Sie blicken neugierig und freundlich. Wir laufen mit unserem Gepäck ein paar Schritte, wieder in eine Seitengasse. Hier abseits des Getriebes stehen einige alte Thai-Holzhäuser, viel Grün. Da ist unser Hotel – Baan Dinso. Baan heißt Dorf und wir sind hier wirklich von dörflichem Leben umgeben. Eine Oase im quirligen Bangkok. Wir durchschreiten ein großes Tor – unsere Tochter wartet schon im Hof. Sie ist bereits in der Nacht angekommen. Freudige Begrüßung und herzliche Umarmungen. Wir freuen uns sehr, sie wieder zu sehen und das war ja auch ein Zweck der Reise. Im Haus werden wir von zwei jungen Thailänderin empfangen: Ich: Sawadii krap – sie verneigen sich mit gekreuzten Händen vor der Brust- und antworten fast singend: Sawadii kha. So begrüßt man sich in Thailand.

Das kleine Hotel besitzt einen schönen Aufenthalts-Hof mit Wasserbecken und einem „Geisterhäuschen“. Im thailändischen Buddhismus verehrt man Geister und Ahnen und bringt ihnen Opfer dar - Speisen, Getränke, Blumen, Räucherstäbchen. Man bittet um die Freundschaft und den Schutz der Geister. Korrekterweise weist man die Geister aber auch darauf hin, dass die wahren „Edelsteine“, denen die eigentliche Verehrung gebührt, der Buddha, seine Lehre und die Mönchsgemeinde sind. Das Haus ist ein stilvoll eingerichtetes Thaihaus. Die Zimmer groß, sauber und mit allem notwendigen ausgestattet (Dusche, Klimaanlage).

"Geisterhäuschen" im Garten des Baan Dinso 
Herzlicher Empfang 























Wir machen uns frisch. Aber dann hält uns nichts mehr. Da wir morgen Abend schon nach Ayutthaya abreisen wollen, möchten wir etwas von Bangkok sehen. Wir beschließen, eine der historischen Hauptsehenswürdigkeiten Bangkoks aufzusuchen: den WAT PHO mit dem berühmten liegenden Buddha. Wat heißt Heiligtum und dieses ist eines der wichtigsten in Thailand.


Die große Schaukel 

Wir laufen die lebhafte Dinso Road hinunter. Auf dem Weg kommen wir an einem seltsamen hohen Gestell vorbei. Es ist die „Große Schaukel“. Früher haben sich hier bei Festen Menschen weit und hoch hinaus geschaukelt, um Silbermünzen zu erhaschen, die irgendwo befestigt waren. Heute ist die Schaukel leer – das Schaukeln war zu gefährlich.

Dann kommt ein Tempel - Wat Suthat– man begegnet in Bangkok ununterbrochen Tempeln – wir lassen den ummauerten Tempelbezirk, der zu Ehren des Schutzgottes  von Bangkok Indra errichtet wurde, links liegen, denn wir haben ein anderes Ziel.
Schließlich erreichen wir dieses. Vor dem Tempeleingang lagern Taxis, Tuk-tukfahrer, Ess- und Souvenirstände, warten Gruppen von Touristen. Überall in Thailand fallen die Gruppen von Japanern auf, die laut und in Reih und Glied in die touristischen Attraktionen einfallen. Wir drängen uns mit anderen Besuchern durch ein Tempeltor. Natürlich wird Eintritt verlangt, aber wie fast alles in Thailand – billig. Innen blicken chinesische Wächterfiguren auf uns herab. Auch hier wird Essen und Getränke verkauft, aber auch Devotionalien, Buddhafiguren, Glocken, Räucherstäbchen, künstliche und echte Blumen als Opfergaben und anderes. Es sind ja nicht nur Touristen hier, sondern auch Menschen,  die zur Verehrung hierher kommen. Auch die Japaner nehmen oft eine andächtige Haltung an.


Andacht vor einem Altar

Wächterfigur



Tempelanlage Wat Pho


Stupa/Chedi

Prächtige Dächer


Oben: Malerei - Klosteranlage mit Mönchsgruppe im Innenhof. Unten: Mönchsgruppe heute

Ein weitläufiges Tempelgelände öffnet sich vor uns. Wir sehen große und kleine Hallen Viharns) mit prächtigen und verzierten Dächern und die charakteristischen glockenförmigen und hier spitz auslaufenden Türme, Pagoden, Stupas oder auf Thailändisch Chedis. Die Chedis bergen die Reliquien von Heiligen, Königen, oder auch von Buddha selbst. Sie symbolisieren überhaupt Buddha und seine Lehre. Uns wird klar, ein solches Wat ist eine eigene Welt, ein weitläufiger Komplex mit vielen Einrichtungen, ähnlich wie christliche Klöster, meist nur viel größer und prächtiger. In der Tat leben hier über 300 der orangefarben gekleideten und kahl geschorenen Mönche. Dem Kloster ist auch eine Massage-Schule angeschlossen. Massage gehört zur thailändischen Medizin und ist wie diese ursprünglich eng mit den Tempeln verbunden.

Doch wir werden jetzt zu dem gleich dem Eingang gegenüber liegenden Viharn geschoben. Wir sind gekleidet, wie das der Respekt beim Betreten von buddhistischen Tempeln verlangt: lange Hose, langes Kleid, bedeckte Arme (halten nicht alle Touristen ein). Wir ziehen die Schuhe aus – wir haben extra richtige Schuhe an, was beim Betreten von Tempelanlagen oft gefordert wird - und stellen sie in ein Regal, steigen die Treppen hinauf und treten in die Halle ein. Da erstreckt sie sich vor uns, die riesige 45 m lange und 15 m hohe Figur des zwischen hohen Säulen liegenden goldenen Buddha. Die aus Ziegelsteinen und Gips bestehende Figur ist mit Gold überzogen und wurde im Laufe der zeit immer goldener, denn die Gläubigen pappten kleine Goldplättchen auf die Statue (man kauft sie im Devotionalienhandel).  Man kann sich Gedanken darüber machen, was hier aus dem einstigen in Nordindien geborenen Prinzen Siddharta geworden ist, der sein reiches Leben verließ, als der besitzlose Asket Gotama zum „Buddha“, zum „Erleuchteten“, wurde und das „Rad“ seiner Lehre und das buddhistische Mönchtums begründete. Er starb um 480 v. Chr. und ging in das „jenseitige Nirvana“ ein, das ewige, unpersönliche und bewusstlose Ruhesein, das den Kreislauf der leidvollen Wiedergeburten beendet. Seine letzten Worte sollen gewesen sein: „Die Lehre und die Regel, die ich euch gepredigt und vorgelebt habe, die sind eure Lehrer nach meinem Ende (an Ananda, den Lieblingsjünger)… Die Gestaltungen und Betätigungen sind vergänglich. Seid aufmerksam und werdet vollkommen.“ In "Fünf Betrachtungen" empfiehlt er seinen Nachfolgern die tägliche Meditation folgender "Tatsachen ", die zur Überwindung der in den "Betrachtungen" angesprochenen "Leiden" und zur Vollkommenheit führt:
 
1.Ich bin dem Alter unterworfen. Ich kann dem Alter nicht entgehen.2.Ich bin der Krankheit unterworfen. Ich kann der Krankheit nicht entgehen.3.Ich bin dem Tod unterworfen. Ich kann dem Tod nicht entgehen.4.Alles, was mir angenehm und lieb ist, ist der Veränderung unterworfen. Es gibt keine Möglichkeit, dem Getrenntsein von Liebem zu entgehen.5.Mein einziger wahrer Besitz sind meine Gedanken, Worte und Taten. Ich kann den Konsequenzen dem Erbe (den Konsequenzen) meiner Gedanken, Worte und Taten nicht entgehen. Meine Gedanken, Worte und Taten sind der Boden, auf dem ich stehe. ( Nach  Aṅguttara Nikāya 5,57)
 
Buddha lehrte und lebte: Ablegen von Gier, Hass, Wahn, Achtsamkeit, Besinnung, Erkenntnis, Güte zu allen Lebewesen, Friedfertigkeit, nicht töten, nicht stehlen, nicht lügen, keinen unerlaubten Geschlechtsverkehr haben, keine berauschenden Getränke zu sich nehmen, spenden, Verehrung und Speisung der Mönche u.a.
  
Ein liegender Buddha erinnert an den friedvoll, achtzigjährig, inmitten seiner Jüngerschar sterbenden Gotama und vergegenwärtigt so das Erlösungsziel des Buddhisten.
 
Der liegende Buddha 

Wir umrunden mit dem Strom der Touristen die Figur von rechts nach links, was „falsch“ ist: der Buddhist kehrt beim Umrunden des Heiligen diesem immer die rechte Seite zu. Beim Rundgang gibt es Altärchen, auf denen man vor kleinen Buddhas Opfer bringen kann. An den Fußsohlen der Statue stellen Perlmutteinlegarbeiten symbolisch die 108 Eigenschaften Buddhas und buddhistischen Tugenden dar.
 
An den Wänden der Halle befinden sich bunte Malereien, die das Wissen der Zeit der Tempelgründung unter König Rama I. (1782-1809) darstellen sollen – für uns schwer deutbar. In der Gegend der riesigen Füße warten 108 Opferschalen, in die man Münzen wirft. Das soll Glück bringen. Man kann sogar Kleingeld dafür eintauschen. Natürlich opfere ich einige Münzen und wünsche uns dabei Glück für die Reise. 
 
Wir merken schon hier, Tempel, Mönche und Religion sind in Thailand fest verankert, sie sind aber auch ein Geschäftsunternehmen und die Thailänder, die meist nicht viel Geld verdienen, spenden viel Geld an die Mönchsgemeinschaften und ihre Tempel.

Meditativer Garten

Buddhastatuen in verschiedenen Haltungen
           













 
Wir treten aus der Halle heraus und bewundern eine kleine meditative Landschaft mit Bodhi-Baum, Berg und Garten. Wir durchwandern die weitläufigen Anlagen, wahrend Anna-Lena sich an die Essstände verkrümelt und eine scharfe Suppe verzehrt. Jetzt mit Beginn des Abends leert sich das Gelände von Touristen und wir haben Muße, um alles in Ruhe anzuschauen. Wir betreten eine Halle mit vielen goldenen Buddhastatuen. Sie stellen Buddha in verschiedenen, Haltungen dar, lehrend, meditierend, besänftigend, stehend, sitzend, mit der mythischen Nagaschlange, die ihn beschützt, unter dem Bodhibaum, unter dem er seine Erleuchtung hatte usw. Der Buddhist erkennt die festgelegten Haltungen. Für uns ist es schwer durchschaubar, was sie jeweils bedeuten. Es ist auch nicht so, dass die verschiedenen Statuen die vielen (vergöttlichten) Buddhas der verschiedenen Zeiten bedeuten, wie im „Mahayana“, dem „Großen Wagen“, dem Buddhismus Chinas, Japans, Tibets. In Thailand herrscht der „alte“, ursprüngliche Buddhismus, der „Theravada“- Buddhismus, „Hinayana“ oder „Kleine Wagen“, der aus Ceylon herüberkam. Hier verehrt man den historischen Buddha, den Buddha Sakyamuni, den Löwen aus dem Geschlecht der Sakyas, als Lehrer und Vorbild der Gläubigen. Die Schriften der Theravada- Richtung sind im sogenannten Dreikorb (Tipitaka) gesammelt, der im 1. Jahrhundert v. Chr. in Ceylon zusammengestellt wurde: Seine Sprache ist das Pali, ein indischer, dem Sanskrit verwandter Dialekt. Wie allen Tempeln kommen wir auch im Wat Pho am Bibliotheksgebäude vorbei, dem Mondop, einem zum Schutz der auf Palmblättern geschriebenen Handschriften auf Stelzen stehenden Haus.

 Aus den Ramayana /Ramakien:
Rama (rechts) und sein Bruder empfangen eine Gesandtschaft der Affen (Bild: wiki/flickr Francesca). Rama und sein Gegner Thotsakan werden durch grüne Gesichtsfarbe gekennzeichnet.
Thotsakans Sohn Intharachit,
dessen Pfeile sich in Schlangen
verwandeln
Seine Gegner im Anzug (Ravana/Thotsakan)
Entführung Sitas, der Gattin Ramas


Vishnus Helfer, der Affenkönig Hanuman


Dämonischer Gegner Ramas (Meerdämon mit Hanuman im Rachen) 

Hanuman beschützt den Pavillon Ramas. Hanuman kann seine Gestalt verändern.

Der Kampf zwischen den Scharen des Dämonenkönigs Thotsakan und dem Heer Ramas und Hanumans

Der siegreiche Hanuman

Straßentheater: Szenen aus dem Ramayana


Hanuman in Aktion     

Dass der Buddhismus aus dem Boden des Hinduismus erwachsen ist, sehen wir in einer anderen Halle. Dort sind an Wänden Reliefs aus der thailändischen Umformung des Ramayana, dem Ramakien, dargestellt. Diese Bilder werden wir auch noch in anderen Tempeln sehen, z. B. in der königlichen Tempel- und Palastanlage Wat Phra Keo in Bangkok, die wir am Schluss der Reise besuchten (die nachfolgenden Fotografien der Malereien sind von dort.) Das ursprünglich altindische Epos erzählt die Geschichte des Königs Rama (thailändisch Phra Ram), einer Wiederverkörperung des Gottes Vischnu, und des Raubes und der Befreiung seiner Gattin Sita (Nang Sida Ninglak). In der thailändischen Version wird Rama mit dem ersten in Ayutthaya herrschenden König der jetzigen Dynastie gleich gesetzt und begründet so die göttliche Abstammung des Herrscherhauses. Deshalb heißen die Könige offiziell alle Rama. Der jetzige König Bhumibol ist Rama IX. Auf den Bildern sieht man viele – teils mit Elefanten - geführte Kämpfe – gegen den übermächtig erscheinenden vielköpfigen Dämonenkönig Ravana/Thotsakan und seine Scharen. Die Helfer Ramas sind der Affenkönig Hanuman und seine Gefährten, die den Dämon schließlich in einem Endkampf besiegen: Beweis der Wandelbarkeit der so fest erscheinenden Verhältnisse, Sieg des Guten über das Böse, was ja durchaus mit dem Buddhismus zusammenpasst. Das Ramakien ist das thailändische Nationalepos, Pflichtlektüre in den Schulen und wird tänzerisch – teilweise mit die Rollen kennzeichnenden Masken – dargestellt. Bei unserem Aufenthalt in Bangkok am Schluss der Reise haben wir eine solche (Teil-)Aufführung auf der Strasse gesehen. 
             
Erfüllt von Eindrücken und mit müden Füssen, verlassen wir das Areal und lassen uns von einem Tuk-Tuk in die Gegend unseres Hotels bringen. Tuk-Tuk ist ein auf der Basis eines Motorrollers mit einer überdachten Fahrgastkabine versehenes Gefährt. Es ist ein billiges – wenn man den Preis vorher ausgehandelt hat - und rasches, aber wenig umweltfreundliches Transportmittel. Die Fahrer steuern ihre Kunden in meist rasender und abenteuerlicher Fahrweise durch den dichten Verkehr zum Ziel, wobei man manche Ängste aussteht. In einer Seitengasse mit vielen Essständen verköstigen wir uns. Wir probieren alles Mögliche – und das scharfe Zeug schmeckt uns wunderbar. Es ist erstaunlich, was die thailändischen Frauen in ihren Garküchen zaubern. Meist haben sie sich auf ein, oder wenige Gerichte spezialisiert und so finden sich auch an ihren Ständen die Liebhaber bestimmter Gerichte ein. Uns ist das Essen in den Garküchen immer gut bekommen – in Hotels oder großen Restaurants hat es uns weniger geschmeckt und hatten wir auch manchmal Probleme.

Ein Tuk-Tuk
                    
Scharf - aber es schmeckt! 
                             
Fazit an diesem Abend: wir sind in einem Land angekommen, in dem uns vieles fremd ist, eine andere Welt als Europa, auch wenn die Einflüsse des westlichen Lebensstiles, seiner Technik, seiner Wirtschaft deutlich erkennbar sind und einen Umbruch in diesem Land hervorgerufen haben und weiter bewirken. Aber das Leben ist unverkennbar durch die eigene Tradition geprägt, auch buddhistisch. Für den, der an Religion interessiert ist, wird Thailand auch zu einer Begegnung mit dem Buddhismus führen. Wir sehen Beeindruckendes und Schattenseiten. Das wird uns zu manchen Gesprächen anregen, nicht zuletzt auch über unsere eigene Religion, das Christentum. 




Donnerstag, 28. Januar 2016

(2) Von Bangkok nach Ayutthaya


Bankok Tempel


Erkundungen in Bangkok


Wir haben über unseren 1. Tag in Bangkok berichtet. Am 2. Tag wollten wir bis zur Abfahrt des Zuges nach Ayutthaya etwas Ruhiges unternehmen. Ich schlug vor, zum Golden Mount zu gehen, einer um 1800 aufgeschütteten 80 m hohen Erhebung, die von einer Tempelanlage, dem Wat Saket, gekrönt wird. Von seinem goldenen Chedi, dem „Turm“ dieses Tempels, der eine Buddhareliquie bergen soll, hat man eine schöne Aussicht auf Bangkok. Wir machten uns auf den Weg auf breiten Straßen mit lebhaftem Verkehr, kamen- unvermeidlich – an einem Tempel vorbei, davor eine blumengeschmückte Gedenkstätte für Konig Rama III. (1824-1821) – und gelangten schließlich an eine Ecke, wo drei Klongs zusammenfließen. Klongs sind die Kanäle, die Bangkok durchziehen. Früher waren es sehr viele und der Verkehr spielte sich hauptsächlich per Boot auf diesen Kanälen ab. Heute sind viele dem Straßenbau zum Opfer gefallen. 

Als wir nach dem Aufstieg zum Mount suchten, sprach uns ein freundlicher Thai an. Er fragte uns nach Woher und Wohin und sagte, der Tempel sei heute wegen einer buddhistischen Zeremonie geschlossen. Stattdessen bot er uns eine billige Tuk-Tuk- Rundfahrt zu umliegenden Sehenswürdigkeit und Besuch eines Gold- und Silberschmuckladens an. Wir hatten gelesen, dass das ein üblicher Trick ist, um Leute in ein Geschäft zu lotsen. Da der Mann sehr freundlich war, bedankten auch wir uns höflich, aber nahmen von seinem Anerbieten Abstand. Er verneigt sich und wartete auf den nächsten gutgläubigen farang (Fremder). Es war aber tatsächlich ein hoher buddhistischer Feiertag und wir vermuteten, dass der Tempel für Fremde wirklich geschlossen sein könnte.

Wenige Schritte vor uns sahen wir einen Schuppen mit Anlegeplatz, einen Pier, am Wasser, wo Leute warteten. Von hier aus verkehren „Wassertaxis“ in die Geschäftsviertel Siam und Pratunam. Da die Fahrt durch die Klongs ein Erlebnis ist, dass man nicht missen sollte, disponieren wir rasch um. Schon rauscht ein Longtail-Boat heran – schmale Boote mit einem großen Außenborder, der an einer langen Stange hängt, mit der auch gesteuert wird. Die Plastikplanen an der Seite werden hochgezogen, wir springen an Bord, setzen uns auf Bänke und schon geht es mit aufheulendem Motor ab. Ein Kondukteur klettert außen am Boot herum und kassiert eine geringe Fahrtgebühr. Jetzt verstehen wir, warum die Plastikplanen wieder hochgezogen worden waren – das nicht sehr saubere Wasser spitzt hoch auf und hätte die Passagiere ziemlich durchnässt, wenn nicht dieser Schutz gewesen wäre. Leider wird die Sicht nach außen durch die Planen sehr eingeschränkt. Trotzdem ist der Blick an die Ufer sehr interessant. Man bekommt hier noch etwas vom früheren traditionellen Leben in Bankok mit. Die Menschen leben in meist flachen Holzhütten, manche Häuschen sind auch zweistöckig und im traditionellen Thaistil errichtet. Am Ufer schmale Durchgänge von Hütte zu Hütte, vor jeder Hütte Blumen und Nutzpflanzen, Bananenstauden, Fruchtbäumchen.. dazwischen Wäsche, Vogelkäfige und Geisterhäuschen. Aber auch Waschmaschinen, Kühltruhen, Fernsehschüsseln…Attribute der neuen Zeit. An der Vorderfront der Häuser – den engen Gässchen zugewandt - gibt es kleine Werkstätten, Garküchen, Verkaufsstände. Je näher wir dem Zentrum kommen, desto mehr moderne Gebäude und Hochhäuser erheben sich hinter der Uferzeile.

Haltestelle für den öffentlichen Bootsverkehr
Los geht die Fahrt
Alte Ansicht von Bangkok - eine Stadt der Kanäle (George B. Bacon 1873 - Quelle: www.songkran.eu, Das alte Siam in Zeichnungen und Bildern)
Der damals noch jüngere König grüßt...
Intermezzo in einem Shopping Center - Dagmar als chinesische Prinzessin oder Braut

Am Pratunang Pier stiegen wir aus. Vor uns Hochhausschluchten mit tosendem Verkehr: Limousinen, Lastwagen, Tuk-Tuks, Motorroller im wilden Durcheinander. Wir sehen einen Verkehrsunfall, ein Motorollerfahrer wurde angefahren, er liegt auf der Straße. Massen an Neugierigen, einige telefonieren. Sofort sind Polizisten da,  wird der Verkehr umgeleitet…und schnell kommen Ambulanzen mit vielen Helfern. Der Mann und seine Freundin, die auf dem Sozius saß, werden weggefahren. 

Hier in der Gegend ist das Einkaufszentrum Südostasiens. Wir wissen, es gibt riesige Warenhäuser, Central World, Siam Paragon (das schickste und modernste Einkaufzentrum Thailands), Platinum Fashion Mail (2000 Modegeschäfte). Vor allem Textilwaren werden hier angeboten, teure echte und billige gefälschte Marken, aber auch Technik, Computer Hard- und Software…Ganz in der Nähe ist auch ein Markt mit Textilien. Es ist heiß, wir schwitzen und so genügt es uns, in das gegenüberliegende Pratunam Center zu strömen. Hier ist es schön kühl. Dagmar und Anna-Lena eilen in die oberen Stockwerke mit Mode. Ich begnüge mich unten durch die kleinen Geschäfte zu bummeln, viel bunte indische Ware, Handtaschen und sonstiger Krimskram. Ich suche nach ein paar bequemen und leichten Schuhen und finde schließlich welche, recht preiswert. Dann setze ich mich an einen Kaffeestand, trinke eine Tasse und beobachte die hin und her eilenden suchenden oder Einkaufstüten tragenden Frauen, Europäerinnen, Inderinnen, Araberinnen, Asiatinnen. Die meisten sind schick gekleidet, viel Make-Up, die jungen Asiatinnen oft schlank, grazil und hübsch. Aber auch manche Mama oder Oma in mehr heimischem Outfit und nicht mehr ganz so schlank, kommt mit ihren Kindern, die quengelnd nach Eis oder Süßigkeiten verlangen.

Meine beiden Frauen kommen nach unten, etwas ermattet, sie haben nicht viel gekauft. Wir fahren wieder mit dem Boot zurück zu unserer Unterkunft, dem Baan Dinso Hostel. Wir hatten schon ausgecheckt, das Gepäck war untergestellt. Die restliche Zeit verbringen wir im schattigen Gartenhof, essen und trinken etwas. Dann holt uns ein Taxi ab und wir fahren zum Hauptbahnhof Hua Lamphong. Dort angekommen, will ich dem Taxifahrer den üblichen Preis geben – wir hatten vor Fahrtantritt nichts ausgemacht… Er ignoriert das dargebotene Geld schweigend, bleibt sitzen und blickt stur nach vorne. Ich erhöhe den Preis um einiges – da springt er auf, reißt unsere Koffer heraus, trägt sie bis in den Bahnhof hinein, bedankt und verabschiedet sich überschwänglich. Na ja, hier schaut jeder, wo er bleibt, und Taxifahren ist so oder so noch billig genug.

Der Fahrpreis im gewöhnlichen Zug der „Northern Line“ nach Ayutthaya ist sehr billig, Pfennige d.h. einige Baht nur. Wir gehen durch den – ich möchte mal sagen – im Kaiser- Wilhelm-Stil errichteten – Bahnhof. Am Bahnsteig Frauen mit Ess- und Getränkeständen. Der Zug wartet schon, ein richtig altmodischer Zug mit Holzbänken, wie in der Nachkriegszeit bei uns üblich. Mit uns steigt das „einfache“ Volk ein, Leute, denen man ansieht, dass sie Bauern sind, Händler mit Warensäcken, aber auch Mönche reisen mit. Die Mönche begeben sich in ein Extra-Abteil für Monks, Senior People und Disabled Persons. Alte und Behinderte machen rasch die Plätze frei, wo die Mönche sich setzen wollen. Ein Mann bleibt stur, da scheucht ihn der militärisch uniformierte Zugbegleiter weg. Wir nehmen unsere Plätze mitten unter den schwatzenden Thais ein – sonst kaum Europäer, nur einige Backpacker weiter vorne und – natürlich- ein paar individualistische Engländer. 

Auf dem Bahnsteig - auch hier sind Frauen als Kleinhändlerinnen tätig.
Die Stahlkonstruktion des Bahnhofs stammt aus deutscher Produktion.
Wir machen es uns im Zug gemütlich
Sonderabteil  für Mönche usw.


Unser nächstes Ziel - Ayutthaya


Der Zug setzt sich in Bewegung – mit den Thais fangen wir an, unseren Reiseproviant auszupacken. Erst geht es endlos durch die Vorstädte Bangkoks, dann wird die Gegend immer ländlicher, kleine Häuser auf Stelzen, viel Wasser, in denen Vögel waten, Reisfelder... Nach gemächlicher eineinhalbstündiger Fahrt kommt Ayutthaya. Sofort stürzen Taxifahrer auf uns zu. Nach kurzer Verhandlung steigen wir in eins ein und werden zu unserem Hotel gefahren. Erst geht es über breite Straßen und eine große Brücke durch das moderne Ayutthaya (80 000 Einwohner), dann kommen wir an den Rand der alten Ruinenstadt, wo unser Hotel liegt, das Prong Tong Mansion. Wir werden freundlich von einer sehr gut Englisch sprechenden Thailänderin empfangen. Wir sehen sofort: ein schönes, sehr ordentliches Hotel mit viel Thai-Kunst (große holzgeschnitzte Figuren aus der Mythenwelt) überall auf Treppen und Gängen. Wie wir später erfahren, von thailändisch-schweizerischen Besitzern geführt. Wieder war die ja mit Unsicherheiten verbundene Wahl im Internet gut.

Prong Tong  Mansion - Hof

Ich hatte Ayutthaya als Besuchsziel ausgewählt, weil dieser Ort für die thailändische Geschichte sehr wichtig ist. Die Stadt war 417 Jahre die Hauptstadt des siamesischen Königreiches, bis sie 1767 von den Burmesen zerstört wurde. (Danach wurde Bangkok Haupstadt.) Zurück blieben Ruinen, die ausgegraben und teilweise wieder aufgebaut, heute UNESCO-Weltkulturerbe sind.

Ayutthaya Plan (wikipedia Autor: Hdamm nach einem alten Stich)

Das alte Ayutthaya (Joh. Vingboon 1665)

Das alte Ayutthaya ist eine Art große Insel. Man sagt, ihre Form gleiche dem Fußabdruck Buddhas. Drei Flüsse münden in den Wasserring, der die Stadt umgibt. Einer dieser Flüsse ist der nach Bangkok fließende Mae Nam Chao Phraya Diese Lage machte es möglich, dass Ayutthaya sichere Hafen- und Handelsstadt war, heute 80 km vom Meer entfernt. 33 Könige regierten hier als Statthalter des göttlichen Helden Rama aus dem Epos Ramayana. So ist auch Ayutthaya nach der indischen Heimatstadt Ramas Ayodhya (Sanskrit „unbesiegbar“) benannt. Ursprünglich war Ayutthaya ein Außenposten des Khmerreiches (Kambodscha ). 1351 floh der König eines kleinen Reiches, U Thong, vor einer Cholera-Epidemie hierher und machte die Ansiedlung zur Hauptstadt seines Reiches. Er schuf ein neues Königtum in Thailand, hierarchisch aufgebaut, mit absolutem Königtum, nannte sich Ramathibodi ( „der bedeutende Herrscher Rama“), besiegte die Khmer und übernahm von ihnen den Theravada-Buddhismus – den „kleinen Wagen“ - und vieles an Kultur, sozialer Gliederung und Verwaltung. 

Das Reich von Ayutthaya hatte ein wechselvolles Schicksal mit verschiedenen Herrscherhäusern, vergrößerte sich aber im Lauf der Jahrhunderte fast bis zum heutigen Umfang Thailands und wurde zu einer einflussreichen Macht in Südostasien. Seine Blütezeit lag im 17./18. Jahrhundert. Ayutthaya muss damals eine prächtige Stadt gewesen sein: man spricht von 375 Tempeln, einem großen Königspalast, 29 Festungen (im westlichen Stil) und 94 Toren (viele davon Wassertore) in den kanonenfesten, mit Wachttürmen besetzten Mauern. Der Verkehr und Handel spielte sich auf einer Vielzahl von Kanälen (mit Anlegestellen und Bogenbrücken) und schachbrettartig angelegten Straßen ab. Dank der toleranten und diplomatischen Politik der Könige lebten viele Ausländer in Ayutthaya - man spricht von 40 Nationalitäten.

Unter den Europäern hatten die Portugiesen im 16. Jahrhundert den Anfang gemacht, dann kamen die Spanier, die Niederländer, die Briten... Persische und arabische Händler waren schon vor den Europäern ins Land gekommen. Bei den Asiaten bildeten die Chinesen und die Japaner die Ausländermehrheit. Die Ausländer wohnten in eigenen Vierteln, konnten dort ihre Gewohnheiten und Religionen pflegen. So gab es auch christliche Kirchen – christlichen Missionierungsversuche aber hatten nur geringen Erfolg.

Ankunft der französischen Botschaft mit einem großen Aufgebot unter dem Jesuitenpater Guy Tachard 1685 (Bild: Jan Luiken in "Voyage de Siam des pères Jesuites...", Amsterdam 1689 - die Bilder aus diesem Buch wurden der Website www.songkran.eu entnommen)

Die Stadt konnte sich auf ihre Art mit jeder europäischen Metropole messen, man beschrieb sie als „Venedig des Ostens“. Tatsächlich war sie auch dank der vielfältigen Beziehungen und Handelsverträge – auch mit dem Westen - eine „internationale“ Stadt. Siamesische Delegation besuchten die Niederlande und das Frankreich Ludwig XIV. Der Einfluss der Fremden – auch der Europäer – war zeitweilig groß. Aber wenn er zu weit ging, drängte man ihn zurück und unterband ihn im Falle der Franzosen ganz. Durch Diplomatie und wechselnde Verträge gelang es den Siamesen als einziges Land Südasiens sich von einer kolonialen Besetzung frei zu halten.


Ein  siamesischer König (Mongkut) in traditioneller Königsgewandung und -haltung empfängt westliche  Gesandte im Thronsaal.  (Nach einem Gemälde in der Chakri Mahat Prasat-Halle des Wat Phra Kaeo in Bangkok). Als irdische Verkörperung Krishnas/ Ramas thront er erhaben über den Anwesenden - wie eine Tempelstatue
König Narai (1656 -1688) empfängt französische Gesandte - Bronze-Gedenktafel Königspalast Lopburi ( Bild: wiki/Ahoerstemeier)

Eine siamesische Gesandtschaft vor Ludwig XIV. 1686 ( Bild: Nicolas de Larmessin, Musée Cognacq). Auch der "Sonnenkönig" betont Rang und Abstand zu Hofstaat und Volk durch Treppe, erhöhtem Thronsitz und Baldachin
(mit antik-barocken Symbolen), aber  - umgeben von Familienmitgliedern (?) - wirkt er lockerer und menschlicher. Die siamesischen Gesandten treten ihm wie ihrem König demütig entgegen. 

1767 belagerten die „Erzfeinde“ des Reiches, die Birmanen, Ayutthaya ein Jahr lang, eroberten, plünderten, zerstörten die Stadt und führten die Einwohner in die Gefangenschaft. Die einst so prächtige alte Metropole Siams bildet seitdem eine Ruinenlandschaft, in der aber noch imposante Reste der Tempel emporragen.

Burmesen erstürmen die Mauern Ayutthayas ( Bild: Museum of Arts, Ayutthaya. Quelle: www.sonkran.eu)

Gleich bei unserer Ankunft hatten wir eine spätabendliche Privatfahrt in einem Longtailboot um die alte Stadt gebucht. In der Dämmerung holte uns ein Tuk-Tuk ab und brachte uns zu einer Anlegestelle. Das Boot kam, und hinaus ging es auf den dunklen Fluss. Eine ganze Weile sah man gar nichts, doch dann tauchten die ersten hell erleuchteten Tempel mit ihren hohen Chedis auf. So umrundeten wir die ganze Insel, deren wichtigste Gebäude angestrahlt werden; zwischen den Tempeln am anderen Ufer taucht manches verlockend aussehendes Restaurant mit seinen Lichtern auf, schließlich erstrahlt sogar eine Kirche, die alte portugiesische St. Josephskirche. Das alles war ein phantastisches Erlebnis. Die Fahrt endete an einem Nachtmarkt, wo wir uns an dem Stand einer Garküche niederließen. Der geröstete Fisch aus den umliegenden Gewässern schmeckte wunderbar.

Auf dem Boot
Angestrahlte Pagoden am Flussufer
Auch ein Kirchturm ist dabei - Zeichen der Toleranz  St. Josephskirche
Ausklang des Abends


Besichtigungen in Ayutthaya - Tempel, Tempel, Tempel...


Am nächsten Tag war Besichtigung angesagt. Wir machten uns früh auf den Weg, um vor dem Strom der Touristen bei den wichtigsten Tempeln anzukommen. Auf dem Weg sahen wir, dass der „Geschichtspark“ tatsächlich eine weitläufige Parkanlage ist, mit Hainen, Wiesen, Kanälen, Brücken, einzelnen Häusern, durchzogen von einigen Straßen, dazwischen die historischen Ruinen. Nach kurzer Wanderung gelangten wir an eine der Hauptattraktionen: den Wat Phra Mahathat („der heilige Tempel der großen Reliquie (Buddhas)“), eine 1374 gegründete Tempelanlage. Schon von außen fällt uns der massige 44 m hohe zentrale Prang auf, dem aber die Spitze fehlt. Prang werden Tempeltürme mit mehr abgerundeter Spitze genannt, im Gegensatz zu den schlanken spitz auslaufenden Chedis. Die Prangbauweise ist die Art von Tempeltürmen, wie sie die Khmer errichteten. Der Zentralprang des Wat Mahathat soll ursprünglich vergoldet gewesen sein und eine Metallspitze getragen haben.  Er fiel mehrfach zusammen, wurde immer wieder aufgebaut und erweitert, überstand sogar die Verwüstung der Birmanen, fiel aber 1911 endgültig zusammen und so sehen wir heute nur noch einen Teil des Turms.



Wat Phra Mahathat



Wir bezahlen den Eintritt und treten in die Tempelanlage ein. Alles strömt nach rechts, wo der berühmte in das Wurzelwerk eines Baumes eingebettete Buddhakopf zu finden ist. Wir ziehen es vor, erst einmal den großen Prang zu umschreiten und die Klosteranlagen zu betrachten, von deren Hallen aber nur noch Grundmauern, Begrenzungssteine und Säulenstümpfe stehen. Es sind auch noch einige kleinere Tempeltürme erhalten, die den Hauptprang umgeben. Neben einigen erhaltenen fallen uns viele kopflose Buddhafiguren auf. Wahrscheinlich wurden ihnen bei der Eroberung Ayutthayas durch die Birmanen – auch Buddhisten - die Köpfe abgeschlagen. (Dies obwohl die Beschädigung von Buddhafiguren als schwerer Frevel gilt.)  Schwer vorzustellen, dass diese Ruinenanlage einmal eines der wichtigsten und reichsten Klöster Thailands war, in dem 1384 ein König seine Mönchszeit absolvierte und im 17. Jahrhundert der oberste buddhistische Patriarch von Siam residierte.

In einem Moment, wo sich der Ring der fotografierenden Japaner vor dem Baumbuddha aufgelöst hat, können auch wir ihn in Ruhe betrachten. Ein wunderbarer Anblick dieser von Wurzelwerk umgebene Buddha mit dem träumend-lächelnden Gesicht, sehr symbolträchtig und rätselhaft. Wie ist er dahin gekommen? Wahrscheinlich gehörte der Kopf zu einer der umstehenden misshandelten Buddhafiguren und der aufwachsende Baum hat ihn in sich aufgenommen und bewahrt. Das passt zu der Verehrung der Thais von Bäumen, die in ihnen ein Buddhasymbol sehen, weil Buddha seine Erleuchtung unter dem Bodhi-Baum ("Baum der Erleuchtung"/Feigenpappel) erfuhr.


Heiliger Baum (in Bangkok)

Von den meisten Touristen nicht beachtet, befinden sich aber weitere ausdrucksvolle Buddhagestalten auf dem Tempelgelände, die die Anschläge "überlebt" haben oder wieder aufgestellt wurden.




Nachmittags besuchen wir die gleich neben dem Wat Mahathat liegende Tempelanlage Wat Ratchaburana („Königliche Erfüllung“). Diese Anlage soll 1444 von einem König zu Ehren seiner älteren Brüder errichtet worden sein, die sich bei einem Duell auf Elefanten im Streit um die Thronfolge gegenseitig umgebracht hatten und deren Asche unter dem großen Prang eingebettet wurde. Wir durchschreiten ein großes Tor und treten in die Ruinen eines langestreckten Viharn (Halle) mit einem mächtigen Blumen- und kerzengeschmückten Altar ein – die Altäre und Figuren der alten Ruinentempel zeugen auch heute noch von einer weitergehenden Verehrung! Hinter der Halle erhebt sich der gewaltige und gut erhaltene Prang mit mythischen Figuren (Nagas – die göttliche Schlange, Garudas – der Göttervogel) und sonstigen Verzierungen. Eine steile Treppe führt zum Eingang in das Innere. Wir klettern hinauf und besteigen den von einem Baugerüst umgebenen Turm. Von einem Fenster aus hat man eine wunderbare Aussicht auf Ayutthaya.

Geschmückte Buddhafigur

      
Wat Rachaburana, Prang

Mythologische Skulpturen am Prang

                 
                      Eingang zum Prang
  
Aussicht von einem Gerüst am Chedi

Trotz eines Verbotsschildes betrete ich die Außengalerie, um eine Aufnahme zu machen. Sofort werde ich von einem der Restaurateure – wohl dem „Chef“ – auf Englisch scharf zurechtgewiesen und zurückgescheucht. An seiner Aussprache merke ich sofort, dass es jemand aus dem deutschen Sprachraum sein muss. Zugegeben, er hat ja recht, aber er lässt ganz die Verbindlichkeit vermissen, die ein Thai aufgebracht hätte. Meinen beiden Damen ist das sehr peinlich und ich muss auch noch von ihnen einige Kritik an meiner Vorwitzigkeit einstecken. In einem Turmraum sind Fotos der Kroninsignien und Goldbuddhas zu sehen, die die Birmanen bei ihrer Eroberung geraubt hatten. Außerdem Abbildungen weiterer Schätze, die 1957 in der Krypta gefunden wurden (der Fund geht sinnigerweise auf Diebstähle von Plünderern zurück, die gefasst wurden). U. a. ein goldener kniender Elefant. Heute sind diese Funde im Nationalmuseum von Ayutthaya ausgestellt. 

Schätze, die im Prang gefunden und aus der Hand von Räubern gerettet wurden

Eine enge und steile Treppe führt in die dunkle und heute leere Krypta, ein Königsgrab, hinunter. Im Schein einer Taschenlampe erkenne ich in Rot und Gold gehaltene Wandmalereien. Ich erkenne einen schreitenden und einen meditierenden Buddha, umgeben von himmlischen Wesen und Blumen. Die Gruft erinnert mich sehr an ägyptische Königsgräber.

Treppe im Prang
Königsgrab


Das Buddhagesicht hat seine Schönheit über alle "Misshandlungen" hinweg bewahrt
                                                                      Ein "Tempelhund" am Wat Mahathat
Die Ruinen der Tempelanlagen werden von solchen Hunden bevölkert. Für sie stellen Thailänder Schüsselchen mit Futter auf und behandeln sie mit Achtung.  So sind sie auch friedlich und bilden nicht die ausgehungerten und aggressiven Meuten, die man in Ruinenanlagen anderer Länder erleben kann. Für Buddhisten haben Hunde eine Seele und werden als gute Kameraden oder Familienmitglieder angesehen. Die Legende erzählt, dass Buddha von einer Schar von kleiner  Hunde begleitet wurde. Bei Gefahr verwandelten sie sich in Löwen und schützten ihn. Oft glaubt man auch, dass religiöse Lehrer als Hunde wiedergeboren werden können. So sind sie also in Tempel- und Klosteranlagen nicht fehl am Platz und werden auch nicht selten von Mönchen gehalten.

Jetzt haben wir erst einmal genug von Tempeln und spazieren weiter in den grünen „Rama-Park“ mit seinen kleinen Seen hinein. Wir werfen aber dann doch einen Blick in den abseits liegenden Wat Thammikarat mit seinem von Löwenfiguren umringten achteckigen Prang aus roten Ziegelsteinen.  Die Löwen – mit aufgerissenen Mäulern - sind im altertümlichen Khmer–Stil gestaltet und möglicherweise geht das Kloster auf die vorayutthaische Khmer-Zeit zurück. (Nach der Eroberung Angkors, des hinduistisch-buddhistischen Kultzentrums und der Hauptstadt der Khmer, durch die Herrscher von Ayutthaya, wurden viele der Traditionen des Khmer-Reiches, auch architektonisch-künstlerische, in Ayutthaya aufgenommen.)  

Löwen als Wächterfiguren vor Palästen und Tempeln sind im ostasiatischen Raum, besonders in China, verbreitet. Auch sie haben einen Bezug zum Buddhismus: sie weisen auf die königliche Abkunft des historischen Buddha Shakyamuni hin. 

Löwen am Wat Thamikarat.
Sie ähneln mehr dem chinesischen "Löwenhund" (Chow-Chow) als echten Löwen, wobei diese Hunde auch unter buddhistischem Einfluss ihre Gestalt erhielten (siehe die Legende von den Hunden-Löwen Buddhas oben).


Meine Damen haben keine Lust, die alten Anlagen weiter zu erforschen und begnügen sich, einen neueren Tempel mit einer weißen Gips-Buddhafigur und der üblichen Ausstattung eines „lebendigen“ buddhistischen Heiligtums zu betreten. Mit einem kleinen Geldopfer stimmen sie die misstrauisch blickende Wächterin freundlicher.  

Ich gehe weiter und betrete die Ruinen der alten Gebetshalle, in dem ein schwarzer Buddha thront. In einem kleineren Viharn gibt es einen mit Goldplättchen bedeckten liegenden Buddha zu betrachten. Im Hintergrund des friedlichen mit Teichen, Bäumen und blühenden Büschen umgebenen Ortes sehe ich Mönche sitzen und gehen. Hier befindet sich ein noch aktives Kloster.


Schwarzer, mit orangener Schärpe angetaner, meditierender Buddha  (in der Haltung "Anrufung der Erde als Zeuge - seines in der Meditation errungenen Sieges über die Versuchungen des Widersachers Mara -angezeigt durch die zur Erde weisende rechte Hand)
Schwarz bedeutet in Asien nicht Trauer, sondern Würde. Orange ist die Farbe der Erleuchtung. Buddhistische Meditation strebt Sammlung, Gelöstheit, Achtsamkeit, Einsicht in das Wesen der Dinge, Befreiung des Geistes aus Fesselungen, Sieg über sich selbst und Verwirklichung der höchsten Wahrheit (Nirvana/ Nibbana) an.
Das lächelnde Gesicht des ruhenden Buddhas zeigt den Zustand der inneren Ruhe an; vielleicht schon die erreichte "Erlösung", die Ablösung von allen Fesselungen und das Aufgehen im "Nirvana":
"Was, ihr Mönche ist das Absolute, das Unbedingte? Es ist die Ausrottung von Verlangen, die Vernichtung von Hass, die  Zerstörung von Wahn"  (Samyutta-nikaya/Pali Text)  

Seltsamerweise sieht man überall auf dem Gelände bunte Figuren von Hähnen, große und kleine. Ich frage einen Mönch nach ihrer Bedeutung. Er erklärt mir, dass die Hähne Opfergaben seien. Der Hahn steht in der buddhistischen Symbolik für die "Lebensgier" - weil er ständig den Hennen hinterher rennt. Diese müsse überwunden werden, um aus dem Kreislauf der Wiedergeburten heraus zu kommen. Außerdem werden die Hähne mit einer Legende verbunden, die an diesem Heiligtum spielt. Ein Prinz des ayutthanischen Königshauses sei eine Wette mit einem burmesischen Prinz eingegangen. Die Wette bezog sich auf einen Hahnenkampf. Der Hahn des ayutthanischen Prinzen siegte und der burmesische Prinz musste sich vor ihm "demütigen". Der Hintergrund dieser Sage sind die Auseinandersetzungen zwischen den Herrschern Ayutthayas und Birmas. Die Ayutthaner hätten natürlich gern die Birmanen als unterlegen angesehen.

Ist das der legendäre ayutthanische Prinz des Hahnenkampfes? Es handelt sich wohl um einen Gründer oder Förderer des Klosters. Das uns befremdlich anmutende Schwarz der Figuren hochgestellter Personen drückt nach  ostasiatischer Auffassung Macht und Würde aus.

Vor dieser Viharn-Ruine sind große Hahnenfiguren aufgestellt. Hinter ihnen ist der Mönch tätig, den ich über ihre Bedeutung befragt habe

Als ich das Tempelgelände verlasse, fallen mir am Wegrand riesige Schneckenhäuser auf. Die Schnecken leben wohl in dem anliegenden Teichkanal. Sie erinnern mich an eine Geschichte der buddhistischen Mythologie. Als Buddha unter dem Bodhibaum saß und um die Erleuchtung rang, krochen Schnecken auf das Haupt des Meditierenden und schützten ihn mit ihrer Feuchtigkeit vor der Hitze. Deshalb werden Locken an Darstellungen des Erleuchteten auch als Schnecken gedeutet. So kann man es verstehen, dass Buddhisten entsetzt sind, wie wenig achtsam wir im Westen mit diesen Geschöpfen in unseren Gärten meist umgehen.


Auf dem Rückweg vom Park – es ist schon abends – sehen wir an einer Straßenecke Elefanten mit ihren Mahouts (Führer/Pfleger) stehen. Für sie ist jetzt Feierabend und sie wandern in das Elefanten-Camp zurück. Tagsüber kann man hoch auf dem Rücken von Elefanten durch die Ruinenstadt reiten. Am Rande des Parks sehen wir, wie Thais auf einem eigens dafür hergerichteten Platz unter Anleitung Tai-Chi-Übungen machen.



                                             Abend im und am Rama-Park

 


Die Straße, auf der wir gekommen sind, hat sich völlig verwandelt: ein großer Markt ist aufgebaut worden. Wir verköstigen uns an verschiedenen Ständen und haben dann  Mühe, in dem nächtlichen Getriebe zu unserem Hotel zurückzufinden.

Zu späterer Stunde sitzen wir im buschumsäumten Hofgang des Hotels und kommen mit dem „Juniorchef“ ins Gespräch. Wir unterhalten uns mit ihm über das Leben in Thailand Es gibt viele Mücken. Der junge Schweitzer reibt sich ständig mit Mückenschutz-Mittel ein. Wir fragen ihn, ob das auf die Dauer nicht schädlich sei. Er sagt, dass er schon einmal das Dengue-Fieber bekommen habe. Er zweites Mal könne man sich das nicht leisten. Auf die Frage, wo er sich das zugezogen habe, antwortet er: „Hier“. Das gibt uns zu denken und wir nehmen uns vor, weiterhin unser „Nobite“ regelmäßig zu benutzen.

Ein zweiter Besichtigungstag in Ayutthaya


Es bleibt uns noch ein Tag in Ayutthaya. Da unser Zug nach Chiang Mai erst abends um 21.00 Uhr geht beschließe ich, noch weitere Tempel im Geschichtspark anzuschauen. Anna-Lena und Dagmar ziehen es vor, in das moderne Ayutthaya und zum Floating-Market aufzubrechen. Letzterer ist eine für Touris geschaffene Attraktion mit einem schwimmenden Essensmarkt und Läden mit den üblichen Angeboten. Das reizt mich nicht.

Mit meinem Rucksack, mit Getränk und Proviant ausgerüstet, mache ich mich auf den Weg. Mein Ziel ist der alte Königspalast. Ich wähle eine Straße am nördlichen Rande des Rama-Parks und komme an Siedlungen mit flachen Hütten und vielen „Gartenrestaurants“ vorbei. Hier sind nur Thais zugange. Es ist noch nicht Mittagszeit und doch sieht man einige in den Restaurants mampfen. Essen scheint eine Lieblingsbeschäftigung der Thais zu sein. Es wird heiß, ich schwitze und ich greife öfters nach meiner Wasserflasche. Nach längerer Wanderung und ständigem Blick auf den Übersichtsplan gelange ich zum King U Tong-Monument, das dem königlichen Gründer Ayutthayas und dem ersten Erbauer des nahen Königspalastes gewidmet ist. Die Gestaltung des Denkmalplatzes in der Art einer heiligen Stätte zeigt, welche Verehrung Königen in Thailand zuteil wird. Man glaubt hier ja auch, dass Statuen vom Geist des Dargestellten beseelt sein können. Verehrung der Ahnen - und zumal königlicher - ist ja Bestandteil der thailändischen Kultur.

U Tong-Denkmal - zu Ehren des königlichen Gründers des ayutthayaischen Reiches, mit den thailändisch-nationalen Farben und Altar

Links vom Monument sehe ich eine lang gestreckte Grünanlage, an deren Ende sich ein großer weißer moderner Tempel erhebt. An ihm oder in ihm muss etwas Besonderes sein, denn viele Menschen – vor allem Asiaten - wandeln auf ihn zu. Am Rande der Anlage rechts zieht sich eine Mauer hin, hinter der drei große markante Chedis mit spitz zulaufenden Enden emporragen. Es ist das dem Königspalast vorgelagerte Heiligtum Wat Phra Si Sa Phet. Unter den Chedis soll die Asche von Königen und eine Reliquie Buddhas liegen Ich betrete das weitläufige Areal, klettere an den Chedis herum und spaziere zwischen verfallenen Hallen und kleineren Chedis umher. Verschiedentlich entdecke ich auf Mauerresten rührende kleine blumengeschmückte Altärchen mit Buddhafiguren oder dem elefantenförmigen hinduistischen Glücksgott Ganesha. Die Mauerreste der ab 1350 erbauten Hallen des Palastbereiches, in dem Könige residierten, Gäste empfingen und Prozessionen beobachteten, geben zu Reflexionen Anlass, wie vergänglich irdische Pracht und Macht ist, auch die Macht von Königen, die sich als Abkömmlinge von Göttern ansahen und als solche verehrt wurden. Da mag einem schon Buddhas Lehre einfallen: 
"Alle bedingten Dinge (und Zustände/ Samkhara) sind vergänglich" ( Dhammapada, 277), woraus der Königssohn aus dem Hause Sakya den Schluss zog, den er auch seinen Jünger, den Mönchen, empfiehlt: 
"Gib auf, was war, was ist, was kommt, gib alles her! Bist du allseitig frei, gibt´s keine Wiederkehr." (Übersetzung: Kurt Schmidt). 
Die Lehre (Dhamma) des Asketen Gotama hat all die Herrscher und Zeitläufe überdauert:
"Die Sonne strahlt am Tag, der Mond glänzt in der Nacht, Der Weise, wenn versenkt, der Held in Waffenpracht; Doch Tag und Nacht  (d.h. über allen Wechsel hinweg) erstrahlt des Buddhas Geistesmacht."

Die drei Chedis des Wat Pra Si Sa Phet. In ihnen soll die Asche dreier Könige bestattet worden sein
Im Hintergrund des Hofes des alten Königheiligtums das neue "National-Heiligtum" Phra Mongkol Bophit
Aufstieg zu einem der Chedis - symbolisiert den "Buddha-Weg":
"Zur klaren Einsicht führt nur dieser Weg allein; Drum wandert ihn! Die Welt ist trügerischer Schein."
"Der Weg führt euch dahin, wo alles Leiden schwindet; Als ich die Rettung fand, hab ich ihn euch verkündet."
                                     
Den entsagungsvollen Weg des Buddha mit der Abkehr von allen materiellen Wünschen einzuschlagen, ist für manche eine Überforderung: so wendet man sich mit der Bitte um Wohlergehen und Reichtum an den  indisch-hinduistischen Gott Ganesha. Ein Altar des elefantengestaltigen Glücks-Gottes im Areal des buddhistischen Heiligtums

Ich trete aus der Anlage heraus und wende mich der neueren Tempelhalle zu, dem Viharn Phra Mongkol Bophit. Als ich ankomme, soll die Halle gerade geschlossen werden, aber ein freundlicher Tempelwächter lässt mich noch herein. Ein riesiger goldener Buddha empfängt mich. Wie mir der Mann erklärt, die größte Bronzestatue Buddhas in Thailand, auf Veranlassung der Königin vergoldet. Ich lese nach, dass es die Nachbildung einer Statue aus dem 15. Jahrhundert ist, wohl des Buddha Phra Si San Phet aus dem Heiligtum nebenan, die von den bösen Birmanen zerstört und deren Goldüberzug eingeschmolzen wurde. Auch die 1956 gebaute Halle ist die Rekonstruktion eines alten Viharn. Der birmanische Premierminister spendete für den Wiederaufbau bei einem Besuch 200 OOO Baht – „Wiedergutmachung“ auf asiatisch! Leider hat der diensthabende Mönch, der Lose mit Zukunftsprognosen ausgibt, schon Mittagspause gemacht und ich muss ohne Schicksalsbescheid von dannen ziehen. An einem der umliegenden Ess-, Trink und Souvenierbuden ergattere ich noch eine Flasche Wasser, ehe auch sie schließen.

"Strahlender" Buddha in der Tempelhalle des Phra Mongkol Bophit.
Der Goldüberzug ist nicht nur Ausdruck der Hochschätzung, sondern verweist auch auf die Strahlkraft der Lehre des historischen Buddha Sakyamuni. Nach Buddhas Willen sollen seine Anhänger nicht an seiner  Person hängen bleiben , sondern  sich an seiner Lehre und seinem Weg orientieren.  ( In der "Volksfrömmigkeit" wird diese Strenge natürlich nicht immer eingehalten.) Die Goldfarbe der Haut gilt aber auch eines der Zeichen des "großen Mannes", d.h. eines Königs oder eines Heiligen.
Seine Verehrung lässt man sich ´was kosten  - "Opferkästen" mit Geldscheinen. 


Ich wandere weiter, überquere einen Kanal, sehe weitere Tempelanlagen, die ich liegen lasse und komme wieder in bewohnte Gegenden. Ich bin jetzt am Flusslauf angelangt, der die Insel umzieht. Ich sehe eine Reihe von Freiluftrestaurants mit Steinbänken und Schattendächern. An verschiedenen Garküchen kocht, dampft und bruzzelt es, verlockender Duft steigt in den Himmel. Nur Thais sitzen hier. In Ermangelung größerer Kenntnisse der Gerichte und der Sprache frage ich, ob es „Thai Pad“ gibt, ein einfaches Reisgericht mit Gemüse, das ich kenne. Lachend und radebrechend schickt man mich zur nächsten Garküche (jede Garküche hat ihre Spezialität!). Ich lasse mich auf eine der schattigen Steinbänke nieder und harre der kommenden Dinge. Man hat eine schöne Aussicht auf den Fluss, wo Longtail-Boote tuckern, und auf renovierte alte Thaihäuser am gegenüberliegenden Ufer. Unweit von mir sitzen zwei in orangene Gewänder gehüllte Mönche mittleren Alters. Die anderen Gäste halten respektvoll Abstand. Erst haben sie nur Getränke vor sich. Dann füllt sich vor meinen staunenden Augen ihr Tisch: Suppen-, Reis- und Gemüse- und Obstschüsseln, auch gebratener Fisch wird herbei getragen ... andere Gäste bringen das, verneigen sich mit an der Stirn gefalteten Händen und ziehen sich zurück. Die Mönche wenden ihnen keinen Blick zu und schwatzen weiter. Sie haben den Spendern die Gelegenheit gegeben, eine gute Tat zu tun und ihr Karma zu verbessern. Ich frage mich, wie sie das alles, was vor ihnen angehäuft wurde, bewältigen wollen. Sie langen kräftig zu – sie dürfen ja auch nach dem Mittagsmahl nichts mehr essen. Was sie nicht mögen, wird abgetragen. Buddhistischer Mönch in Thailand müsste man sein, denke ich – da kommt mein bescheidenes Mahl, dem ich nun zuspreche. Mmmh, schmeckt gut!


Ich warte auf mein Essen...
Auch die Mönche warten. Gleich werden sich ihre Mienen aufhellen, wenn die gespendeten Gerichte aufgetragen werden...

Ich blicke auf die andere Uferseite - ein Thai-Häuschen

Hier der Blick den Fluss hinunter Richtung Ayutthaya

Ein Longtail-Boot mit Touristen tuckert vorüber...
Da kommt mein Gericht - Thai Pad vegetarisch

Nachdem ich auch noch eine große Flasche Coca-Cola geleert habe, bezahle ich einen Spottpreis. Ich fühle mich gestärkt, ausgeruht und wandere in den Geschichtspark zurück. Ich stoße auf den berühmten riesigen im Freien liegenden Ziegel-Mörtel-Buddha, der auf einem Sockel des zerstörten Wat Lokayasutharam ruht. Ein großes safrangelbes Tuch umhüllt ihn, das Gesicht ist geschwärzt -  von dem, was im Laufe der Zeiten über ihn hinweg ging? Oder war er ursprünglich schwarz? Die 40 m lange und 8 m hohe Riesengestalt (phra phuta saijat – der ehrwürdige liegende Buddha) lag einst in einer Halle. Seine Riesenhaftigkeit geht auf eine Legende zurück: ein Riese ersuchte um eine Audienz beim Buddha. Da er sehr stolz auf seine Größe war, wollte er sich nicht vor dem Ehrwürdigen verbeugen. Darauf zeigte sich Buddha um ein vielfaches größer als der Riese, was diesen dann zur Ehrerbietung bewegte.





Ich verharre andachtsvoll bei einem kleinen Altar, der vor ihm aufgebaut ist. Da nähert sich mir eine Thailänderin mit Blumen in der Hand. Sie unterweist mich, wie man den Buddha in der rechten Art und Weise verehrt, ihm Blumen und Räucherstäbchen opfert und die kleine Buddhafigur auf dem Altar mit Goldplättchen versieht. Dann soll ich Wünsche an den Verehrungswürdigen richten. Nach getaner Verrichtung bietet sie mir einige Souvenirs an, Glücksbringer, wie sie in gebrochenem Englisch sagt. Ich wähle einige kleine Messingelefanten für meine Lieben aus. Natürlich ist das alles eine Gegengabe in Form eines für mich bescheidenen Geldbetrages wert, der mit Verbeugung entgegengenommen wird. Freundlich lächelnd winkt sie mir inmitten anderer Frauen nach, die auf den nächsten in den Gebräuchen der einheimischen Religion unerfahrenen Farang warten.

Mein Rückweg führt an verschiedenen weiteren Tempelruinen mit Buddhafiguren vorbei. Hierhin verirren sich kaum Touristen und ich kann in Ruhe verweilen und betrachten. Ich genieße diese baumbestandene Ruinenlandschaft mit den verfallenen Chedis, auf die ich klettern und von denen ich ausblicken kann (hier verbietet mir das niemand!), den schweigenden Buddhas, die so verschiedene Gesichter und Stellungen haben, einmal friedlich, dann streng blickend, segnend, meditierend…








Ich komme am Elefantencamp vorbei, wo Touristen Schlange stehen, um von einem Podest aus auf Rücken und Sitze der Elefanten zu klettern. Die rot gekleideten Mahouts sitzen mit ihren Hakenstöcken auf dem Nacken der Tiere. Andere Elefanten sind zurückgekommen, bekommen Heu, trinken, werden abgespritzt, einige kleine spielen herum… Ich denke daran, dass die Könige hier große Herden an Arbeits- und Kriegselefanten hielten, weiße sogar als heilig galten. Es ist wohl nur der Tourismus, der die Anwesenheit dieser Tiere wieder möglich macht.



König Narai auf seinem weißen Elefanten  (Bild: Jan Luiken)

Je näher ich meinem Ausgangspunkt komme, desto mehr Radfahrer, Spaziergänger, Jogger füllen die Wege, andere picknicken auf den Wiesen. Ein friedlicher Spätnachmittag und so schön warm, wenn man an das ferne kalte Spanien und winterliche Deutschland denkt!

Obwohl ich langsam müde bin, reizt es mich, noch einen Abstecher zum „Thai Boat Museum“ zu machen, dessen Besuch man mir im Hotel sehr empfohlen hat. Schließlich ist das alte und heutige Ayutthaya nicht ohne Wasserwege und Boote zu denken! Ich läute am Tor des traditionellen Thaiholzhauses. Eine ältere Dame öffnet mir und sagt mir, dass ich mich frei umschauen könne. Manche alte und neuere Boote sehe ich im Garten und Hof, verschiedene Schiffformen, Schaukästen mit Modellen und eine Werkstatt im Freien, wo offenbar immer noch Boote renoviert werden. Ein alter, kleiner und würdiger Thai kommt und stellt sich mir vor, er ist der Besitzer des Museums, alles hat er – ehemaliger Lehrer – selbst gemacht. Seine Frau hat ihn geholt, da sie gemerkt hat, dass ich mich sehr für seine Arbeit interessiere. Mr. Patitoon Khaomala spricht gut Englisch, führt mich ins Haus, zeigt und erklärt mir die großen Modelle der alten Thaischiffe, Fischerboote, Handelsdchunken, königliche Prachtschiffe… Khun (Herrn) Khaomalas Interesse ist die alte Beziehung von Thais und Booten.  Leider darf ich die einmaligen Modelle im Haus nicht fotografieren. Stolz zeigt er mir Bilder und Zeitungsartikel vom Besuch des Königs in seinem Haus. Mit seinen zitternden Händen schlägt er ein Buch auf, wo ich mich verewige. Ich bin beeindruckt von diesem alten Herrn, seinem Wissen, seinen Fähigkeiten, seinem Engagement für die Bewahrung alter Thaitraditionen und freue mich, ihn kennen gelernt zu haben. Natürlich ist das alles eine diskrete Spende wert, denn Eintritt kostet das Museum nicht.



Das Bootsmuseum - ein originales Thaihaus
Prachtboot für Vornehme

Volkstümliche Boote - hier für eine Marktfrau auf einem "Floating market"
Auch Mönche benutzen solche Boote, um sich auf Wasserstrassen zu bewegen
Großes "Kajütboot" im Garten


Königliche Barke (Bild: Jan Luiken 1688)

Ermattet, aber erfüllt von den Eindrücken des Tages komme ich im Hotel an. Meine beiden Damen erwarten mich schon. Sie waren etwas enttäuscht vom Floating Market, haben sich dann einen geruhsamen Nachmittag im Schwimmbad eines weiterem, den Besitzern unserer Unterkunft  gehörigen Hotels, gemacht. Wir packen unsere Sachen, stellen sie unter und genießen den Abend mit Thaigerichten an den Tischen einer nahen Garküchenansammlung. Dann machen wir uns – wieder im Taxi – auf den Weg zum Bahnhof. Im Schlafwagenzug soll es in den Norden Thailands, nach Chiang Mai, gehen. 

Becken mit Lotusblüte im Geschichtspark von Ayutthaya
Die vom Schmutz des Wassers unberührte Lotusblüte ist ein Sinnbild für die reine Buddhanatur