Samstag, 27. Februar 2016

Im Süden Thailands - Eine Bungalow-Siedlung bei Krabi...und noch einmal Bangkok


Das erwartet uns - die Andamanensee

In Chiang Mai ganz im Norden Thailands sind wir morgens ins Flugzeug gestiegen. Jetzt geht es in den Süden, nach Krabi. Der Flug mit Thai Airways war problemlos – modernes Flugzeug, der Service – alles wie in Europa, nur dass viele Thais um einen sitzen.
Auf dem Flughafen in Bangkok - Aufenthalt. Wir schauen uns ein bisschen um, alles wie auf jedem internationalen Flughafen. Natürlich viel Getriebe; buddhistischer Mönch müsste man sein – sie haben einen eigenen ruhigen Aufenthaltsraum. Am Nachmittag kommen wir in Krabi an. Beim Anflug sehen wir riesige Palmenwälder – wir sind im tropischen Süden.

Schön leerer Aufenthaltsraum auf dem Flughafen in Bangkok - aber nur für buddhistische Mönche

Krabi, Hauptstadt einer Provinz, liegt 800 km südlich von Bangkok, auf der westlichen Seite des lang gestreckten Landes, an der Andamanensee. Gegenüber liegt Phuket auf seiner Halbinsel. Will man nicht die Strapaze einer nachtlangen Busfahrt auf sich nehmen, muss man schon den weit teureren Preis für den Flug nach Krabi hinlegen. Der Ort wird in den letzten Jahren viel von Touristen angeflogen, nicht wegen der Stadt, sondern wegen der nahen Strände, den Inseln.

Aufenthalt in den „Pine Bungalows“

Draußen vor dem modernen Flughafengelände wartet ein Jeep auf uns. Ein Mitarbeitervon Pine Bungalows holt uns ab. Liegt nordwestlich im Bereich Ao Nang Beach. Hinter Krabi geht es durch eine reizvolle Landschaft. Hohe Kalksteinfelsen ragen an der Straße empor und umschließen sie manchmal schluchtartig. Diese Felsen sind charakteristisch für die Gegend, man findet sie auch im Meer.

Auf dem Weg nach Ao Nang Beach

Dorf-Moschee

Nach ca. 60 km kommen wir in ein Dorf, einfache Häuser, provisorische Hütten, einige bescheidene Restaurants, eine große Moschee, auf der die grüne Fahne des Propheten weht. Ein großer Teil der Bevölkerung ist hier muslimisch. Sie leben aber anscheinend mit den Buddhisten friedlich zusammen, im Gegensatz zu den Gebieten noch weiter südlich an der Grenze zu Malaysia. Vor Reisen dorthin wird gewarnt, wegen der Attentate, die sich gegen  die Regierung in Bangkok richten. 

Nun geht es eine Seitenstraße den Berg hinauf. Ringsumher tropischer Wald. Dann kommt das Schild „Pine Bungalows“. Ziemlich abgelegen. Inmitten von wuchernden tropischen Bäumen und Pflanzen liegen kleine gemauerte, weiß gestrichene Hütten, die sich den Abhang bis zum Meer hinunterziehen. Wir beziehen zwei dieser Hütten, eine für Dagmar und mich und eine für Anna-Lena. Die Hütten sind einfach eingerichtet, Doppelbett, Toiletten- und Duschraum. Vor der Hütte eine überdachte Veranda. Wer hierher kommt, sucht nicht Luxus, sondern Natur, Ruhe – und die gute Küche des Restaurants. Die Miete für die Hütten ist übrigens sehr billig, wenn man direkt über die Website bucht.


Hütte in den Pine Bungalows

Veranda einer unserer Unterkünfte

Im Hintergrund das Restaurant -
unten Blüten am Restaurant

Wir ziehen ein – die beiden Frauen murren ein wenig. Dagmar wegen Wassers undefinierbarer Herkunft, das im Toilettenraum steht, Anna-Lena wegen eines Risses in der Wand, durch den Mücken und Insekten kommen können. Der Riss wird mit Zeitungspapier zugestopft, die Flüssigkeit wird aufgewischt – sie kommt aber bald wieder.

Dann geht es zum Strand hinunter, am Hauptgebäude und Restaurant vorbei. Wir sehen freundliche Frauen in der großen Küche wirken, sie macht für thailändische Verhältnisse einen sauberen und ordentlichen Eindruck. Vor dem Restaurant eine freie Fläche, begrenzt von Bäumen, an denen Hängematten befestigt sind. Ein Geisterhäuschen auf einem Pfahl weist auf den Durchgang zum Strand  – die Besitzer sind Buddhisten. Dann treten wir auf den weißen Sandstrand, der sich rechts und links weit dahin zieht, gesäumt vom Urwald. Es ist gerade Ebbe, auf dem Schlick liegt ein hölzernes Long-Tailboot, weit zieht sich der Meeresboden dahin, Felsbrocken liegen darin – wohl korallischen Ursprungs. Dahinter das Meer, dessen Linie durch eine gegenüber liegende bergige Insel begrenzt wird. Die Sonne scheint, doch über dem Wasser liegt Dunst, es ist tropisch warm. Südseegefühle kommen bei uns auf. Das sieht schon nach kleinem Paradies aus. Wir freuen uns auf die drei weiteren Tage, die wir hier verbringen wollen.

Der Zugang zum Meer wird von einem "Geisterhäuschen" bewacht
Ebbe

Abend

Abends füllt sich das Restaurant, Menschen aus aller Welt, ältere, junge, viele Japaner, die verschiedensten Sprachen schwirren durch die Luft. Eine große Speisekarte wird gebracht, alles thailändische Gerichte. Der Besitzer berät uns. Wir leisten uns das Spitzengericht, frischen Fisch, in der Gegend gefangen. Er schmeckt köstlich. Überhaupt das Essen hier, es ist die beste Küche, die uns  in Thailand begegnet ist. In den nächsten Tagen werden wir Anna-Lena immer wieder hier vor einer vollen Schüssel finden, sie liebt das thailändische Essen.

Am nächsten Morgen laufe ich über den Strand. Kein Mensch, bis auf eine Japanerin im langen weißen Kleid, die ein malerisches Bild vor dem Meer abgibt. Weiter weg einige Hunde, die im Sand nach Meeresgetier suchen. Sie verziehen sich in den Urwald, wenn ich komme. Irgendwo dahinter soll ein Königsschloss liegen, von dort höre ich Menschlaute. Der Dunst hat sich gelichtet, die Sonne steht im blauen Himmel, auch das Meer ist tiefblau. Schließlich machen spitze Korallen-Riffe und Mangroven mit ihrem dichten Wurzelwerk das Weiterkommen unmöglich. Als ich zurückkehre, sitzen meine Damen schon am Frühstückstisch. Dagmar und ich bestellen kontinentales „Breakfast“: Müsli, Schinken, Spiegelei; Anna-Lena natürlich Thailändisch, Reis, Gemüse mit Ei. Heute ist „Chill-Out" angesagt: Baden im Meer, Liegen in der Hängematte, Lesen usw. Abends ist die Flut wieder weg. Ich mache einen Spaziergang durch das „Wattenmeer“. Viele kleine Tümpel, in denen winzige Fische schwimmen und Krabben umher schießen. Große Seegurken liegen darin. Überall kleine Korallenbänke, Korallen verschiedenster Art. Die meisten sind tot. Die Meeresverschmutzung hat auch hier Einzug gehalten. Klar, Tourismus erzeugt Abwässer. Es gibt zwar Sickergruben, aber hier fließt noch viel ins Meer, wo soll es auch sonst hin? Aber wenn die Flut kommt, ist das Wasser doch sehr klar und man schwimmt sehr schön darin.

Morgens am Strand - noch ist das Meer tiefblau
Blick über den Strand - im Hintergrund Anlegestellen und Boote der "Seenomaden

Tagsüber sind Strand, Baden und erholsame Tätigkeiten angesagt


Spaziergang am Abend. Das Meer weicht zurück - Felsen kommen hervor
Koralle (?) im "Watten-Meer"
Seegurke
Kleiner "Drache" an Land

Am nächsten Tag mache ich mit Anna-Lena eine Wanderung am Strand entlang, in die andere Richtung, die ich gestern gegangen bin, Richtung Dorf und Ao Nang. Wir kommen an den armseligen Hütten der „Seenomaden“ vorbei. Ihre Holzboote liegen in Wasserläufen, die ins Meer führen. Oben an der Straße haben sie Stände, an denen sie ihre Fische, wohl vor allem an Restaurantbesitzer, verkaufen. Sie sind eine alte Bevölkerungsgruppe mit eigener Religion (Animismus) und Sprache, eigenen Sitten und Gebräuchen. Früher zogen sie von Insel zu Insel,  von Fanggebiet zu Fanggebiet und führten eine Art von „Zigeunerleben“. Heute versucht die Regierung, sie sesshaft zu machen und ihnen die thailändische Staatsbürgerschaft zu geben. Ihre eigenständige Kultur und Lebensweise geht dabei verloren. Wegen der Naturschutzgesetze dürfen sie auch vieles, was da Meer hergibt, nicht mehr fangen, z.B. Schildkröten.

Ostasiatisches Flair - Aussichtspunkt über dem Strand
Ein "See-Nomaden"-Boot

Das sterile "Luxus"-Ressort 

Überall ist hier Tsunami-Gebiet, Schilder weisen darauf hin, auch wo die Rettungspunkte auf den Hügeln sind. Ein Österreicher, der neben uns in einer Hütte wohnte, oft in der Gegend ist und den Tsunami erlebt hatte, erzählte uns, wie es zuging. Die Wellen waren hier wegen der vor gelagerten Inseln nicht so schlimm wie in Phuket. Aber sie haben in Ufernähe viel zerstört. Die Seenomaden erkannten die Vorzeichen und konnten sich retten. Aber ihre Lebensgrundlage, die Boote, waren verloren. Nach der Katastrophe gab es Hilfe aus dem Ausland und Inland. Man musste beim Bürgermeister die Schäden anmelden und mit Besitzpapieren belegen, dann erhielt man Entschädigungen. Natürlich sei das meiste dem Bürgermeister und seinen „Spezis“ zugute gekommen. Die Seenomaden hatten keine Unterlagen und Papiere – die meisten sind sowieso Analphabeten. So gingen sie leer aus. Der Österreicher erzählte uns, dass er unabhängig von einer Hilfsorganisation Geld für die Seenomaden gesammelt und ihnen so bei der Wiederbeschaffung von Booten geholfen habe.

Nach einiger Zeit gelangen wir in ein großes Urlaubs-Ressort. Gepflegte Wiesen- und Parkanlagen, moderne Apartmentgebäude, Aufenthalts- und Restauranthallen. Alles sehr luxuriös. Wir wandern durch die Anlagen und Hallen, die Angestellten beachten uns nicht weiter. Viele Gäste scheint es nicht zu geben. Wir sehen einige gut gekleidete junge japanische Paare. Als wir aus der Empfangshalle heraustreten, sind wir in einer kleinen touristisch aufgemachten Ansiedlung, Restaurants, Villen usw. Wir nehmen ein Tuk-Tuk und lassen uns zu den „Pine Bungalows“ zurückfahren. Dort fühlen wir uns wohler, als in der Luxus-Anlage.

Für den nächsten Tag haben wir eine „Insel-Tour“ gebucht. Anna-Lena kann leider nicht mit, da sie sich beim Strandlaufen am Fuß verletzt hat. Ein Lastwagen mit Sitzbänken auf der Ladefläche holt uns ab. Er fährt von einer Bungalow-Siedlung zur anderen und sammelt die Kunden ein. Wir sehen, es gibt hier im Wald und am Strand viele solcher Siedlungen. Die Hütten sehen manchmal reichlich primitiv aus, aber fast immer bunt. Ist was für Alternativ-Urlauber hier.

Bunte Hütten zwischen den Bäumen

Erlebnisse beim „Insel-Hopping“

Nach Krabi Town geht es wieder Richtung Meer auf die Hafenstraße. Hier ist was los. Bars, Restaurants, Schiffsagenturen. Eine Menge Menschen irren umher, andere stehen in Gruppen herum. Im Wasser liegen viele große Longtail- Boote mit Leinwanddach dicht an dicht und harren auf die Ausflügler. Guides laufen herum und schreien: Here the Group of …agency! Come with me! Unsere Lastwagengruppe hat verschiedene Ziele und hat sich im Nu zerstreut. Wo müssen wir hin? Schließlich finden wir den Guide unserer Inseltour und unseres Reisebüros. Ein junger Thai mit bester Laune, lückenhaften Zähnen und breitem Englisch. Er sammelt seine Gruppe um sich, die Karten werden kontrolliert und dann geht´s zum Boot. Aber so einfach ist das nicht! Es heißt die Hosen hochkrempeln und durch´s Wasser waten! Schließlich sind wir alle im Boot. Ein junger Bursche sitzt hoch am Heck, die Stange in der Hand, mit der der vorsintflutliche Dieselmotor und die weit außen hängende Schraube bewegt werden. Der Motor heult auf und der junge Mann steuert mit seinen verstümmelten Fingern (ein Opfer der Schiffsschraube?) das schwere Gerät rückwärts äußerst geschickt durch die Reihen der Boote, die zum Teil ebenfalls los fahren. Den Motor an der Stange zu bedienen ist ein Kraftakt! Wir atmen auf, als wir ins freie Fahrwasser kommen. Vor uns hoch ragende Felsen. Sieht wie in James-Bond-Filmen aus, deren einige hier auch in der Gegend gedreht wurden.


Warten auf Guide und Boot
Nun sitzen wir im Boot - dicht gedrängt. Der Guide im Schneidersitz
Der vorsintflutliche Bootsmotor
Railay in Sicht

Alle Namen der vier Inseln, die wir besuchen wollen, weiß ich nicht mehr und auch die Reihenfolge habe ich nicht mehr so genau in Erinnerung. Ich glaube, das erste Ziel, das wir angesteuert haben, war Rai Leh Beach (Railay), eine Krabi vorgelagerte Halbinsel. Eigentlich wollten wir hier unsere Urlaubstage verbringen, weil sie als „eine der spektakulärsten Reiseziele im Süden Thailands“ angepriesen wird. Wie sind froh, dass ich nicht hier gebucht habe.


Karte Halbinsel Railay. Rechts der rote Punkt ist Krabi. Links unten  auf der Halbinsel ist der Strand von Railay, wo wir angelandet sind.

Boote vor Railay

Felsklötze im Wasser
Am Strand

Die Boote entleeren Massen an Touristen an den schönen schmalen Sandstrand, hinter dem steile Kalksteinfelsen aufragen. Phantastische Landschaft! Dicht an dicht lagern sich die Leute auf den Strand oder stehen im flachen Wasser herum. Wir flüchten und wandern den Strand entlang. Gleich kommt ein luxuriöses Ressort, in das aber Zäune, Schilder und Wächter den Eintritt verwehren. Wir laufen weiter und gelangen in ruhigere Zonen.

Am Ende des Strandes versperren Felsen den Weiterweg. Kletterer steigen empor oder seilen sich ab. Railey ist ein Paradies der Kletterer. In den Felsen hat es große und hohe Höhlen. In ihnen erheben sich bunte und mit Blumen bekränzte Pfähle, allerlei Gaben davor. Bei näherem Zutreten sehen wir, dass die Pfähle Priapen, Penisse darstellen. Wer mag sie wohl und zu welchem Zweck errichtet haben? Meine Vermutung ist, dass sie von Fischern, vielleicht Seenomaden, errichtet wurden, die damit eine Meeresgöttin oder Seegeister, deren Altar nebenbei steht,  besänftigen und zum Erfolg beim Fischfang animieren wollen. Die umstehenden Leute grinsen und fotografieren. Dann gehen wir zurück, um das Ressort herum und gelangen auf einen Weg, der zum Ufer auf der anderen Seite, führt. Es geht unter überhängenden Felsen hindurch. Auch wieder phantastisch! Das andere Ufer hat ebenfalls einen Strand, der ist aber steinig und wenig zum Baden geeignet. Wir sehen einige Ressorts, die einfacher ausschauen, als das auf der gegenüberliegenden Seite. Hier sieht man nur wenige Menschen, aber an den Wänden hängen die Kletterer. Wir kehren wieder zurück. Das Boot ist auch schon abfahrbereit.


Die "Kulthöhle"...
... mit bunten Priapen als Opfergaben...

...an die Meerjungfrauen
Unter Felsen führt der Weg...
...zur Westseite Railays

Nun geht´s zu einer Insel, deren Felsen sich steil aus dem Wasser heben. Das Boot hält, und wir erhalten Schnorchel und Tauchbrillen. Das Wasser ist bewegt, aber wenn man taucht, sehr klar. Um uns schwimmen kleinere Fische, gelb und mit Streifen. Sie nähern sich uns und manche reiben sich an meiner Haut. Ihr Schuppenkleid ist ziemlich rauh.


Die "Schnorchel" - Insel
Fische in ihrem Element

Die nächste Insel – sie heißt Poda - ist flach, sandig und Baum bestanden. Auch hier landen wieder viele Touristen an. Offenbar ist das die Insel, wo allgemein Mittagspause gemacht wird. Die Guides packen Verpflegung aus. Bei unserem Guide gibt es Hühnchenfleisch, Reis und Gemüse. Außerdem Getränke. Wir lassen uns am Strand nieder. Aber wer meint, in Ruhe essen und trinken zu können, täuscht sich. Die Insel ist nämlich von Affen bevölkert. Die sind schon herbeigeeilt, um ihren Teil ab zu bekommen. Sie sind unglaublich frech. Sie wühlen in abgestellten Rucksäcken und holen heraus, was ihnen essbar erscheint. Aber auch eine Mütze oder einen Fotoapparat nehmen sie schon einmal mit. Kindern entreißen sie die Wasser- oder Colaflaschen, schrauben sie geschickt auf und heben sie an die Mäuler. Sieht putzig aus, wie sie trinken, sehr menschlich. Wehrt man ihnen, dann fletschen sie ihr gefährlich aussehendes Gebiss.


Die Boote landen in Poda an
Die Passagiere verteilen sich am Strand 
Ich lese erstmal, wohin man sich flüchten soll, wenn ein Tsunami kommt: 500 m Insel einwärts
Die Affenmutter und ihr Kleines beobachten das  Menschen-Spektakel
Der Alte hält Ausschau, was man stibitzen kann

Allmählich beruhigt sich die Szene, die Affen haben ihren Teil, ziehen ab oder beschäftigen sich anderweitig, mit ihren Kleinen, mit Lausen, Streit oder Anbandeln mit dem anderen Geschlecht. Auch sehr menschlich. Was das für eine Sorte von Makaken ist, weiß ich nicht, aber in der Affenauffangstation in Riudellots, die wir nach unserer Rückkehr besucht haben, haben sie einige dieser graubärtigen Exemplare und ich erfahre, dass sie sehr intelligent sind und fast schon zu den Menschenaffen gehören.

Es ist uns gelungen, die Affen fern zu halten, und wir sind satt geworden. Wir machen einen Spaziergang über die Insel. Unter Bäumen steht ein Gebäude, wohl ein Restaurant oder Hostal, das aber geschlossen ist. Dafür gibt es einen Essstand. Auch ein Altar mit Opfergaben darf nicht fehlen. Ein Schild warnt vor der Tsunami-Gefahr und zeigt an, wie hoch das Wasser 2004 stand: 4 m. Die Händler verlassen die Insel sicher abends.

Hier ist der Tisch für die Geister gedeckt...
... und hier für die Menschen
Man badet ...oder vertreibt sich die Zeit sonstwie...
...mir gefällt es hier..
...aber die Insel ist ein bedrohtes Paradies!
Das Boot bringt uns zur nächsten Insel. Klein und lang gestreckt, rechts und links erheben sich Baum bestandene Hügel, in der Mitte ein schmaler Sandstrand. Rechts auf dem Hügel ein Tempelchen. Inzwischen haben sich tief hängende Wolken zusammengebraut. Die Monsunzeit naht und der nachmittägliche Regen setzt ein. Und was das für ein Guss ist! Unglaublich, was da herunterkommt! Man sieht keinen Meter weit mehr, alles ist in Regen und Dunst gehüllt. Guide und Bootsmann packen Planen über das Verdeck, aber das nützt nicht viel. Wir werden bis auf die Haut nass. Also die Klamotten ausgezogen und rein ins warme Uferwasser, nass sind wir eh schon! Der Guide hat uns zwar beim Anlaufen wegen der Haie vor dem Baden gewarnt, aber wo so viele Menschen dicht gedrängt im Wasser stehen, traut sich kein Hai heran. Während dessen angelt der Guide seelenruhig mit einer Schnur und zieht bald einige der gelb gestreiften Fische aus dem Wasser, sicher sein Abendessen. Andere fangen die Fische mit der Hand, lassen sie aber wieder frei. Schnell ist die Husche vorbei, die Sonne brennt wieder und wir hängen die nassen Sachen zum Trocknen auf.


Longtail-Schraube im Monsunregen
Der Himmel öffnet seine Schleusen - die Insel im Hintergrund ist nur noch als Schemen zu erkennen
Der Regen ist vorbei...alles ist pitschnass
Nach dem Regen - Blick von der Insel
Fahrt von Krabi (-Meer) zurück zu den Pine Bungalows

Ich wate an den Strand – bei Flut soll er oft verschwinden – und ich pilgere mit anderen Besuchern die Treppen zum Tempelchen hinauf. Hier blickt man über das Meer mit kreuz und quer shippernden Longtails und Felseninselchen bis zum Festland

Mit knatterndem Motor und hoher Geschwindigkeit fahren wir nach Krabi zurück. Natürlich laufen alle Boote gleichzeitig ein. Inzwischen ist die Flut gekommen und wir müssen durch Oberschenkel hohes Wasser an Land waten. Macht nichts, die Hosen sind sowieso nass. Der Guide hilft mit sichtlichem Vergnügen den Frauen auf´s Trockene. Seine gute Laune die ganze Fahrt über war ansteckend! Er hat´s gut, er hat durch den Tourismus einen Job!

Als wir in den Pine Bungalows eintreffen, sitzt Anna-Lena mit zwei jungen Norwegern und einem israelischen Mädchen zusammen, Sie haben sich gut unterhalten und den Tag über die Speisekarte rauf und runter gegessen.

Stadtbummel in Krabi

Am nächsten Tag lassen wir uns, d.h, Dagmar und ich, nach Krabi fahren, Stadtbummel. Krabi ist eine ziemlich gesichtslose moderne Stadt mit vielen Geschäften, hat dabei aber natürlich asiatisches Flair. Auf einem Hügel über dem Geschäftsviertel sehen wir einen großen Tempel und steigen die Treppen zu ihm hinauf. Er nennt sich Wat Kaewkorawaram und wird der "Weiße Tempel" genannt, was bei seinem Anblick nicht verwundert ( siehe Foto unten). Er stammt aus jüngerer Zeit und stellt für uns trotz seiner aufwendigen Verzierungen nichts Besonderes dar. Was uns auffällt, ist ein Tiger auf einem Felsen und eine Elefantenkuh mit ihrem Jungen vor einer Höhle inmitten eines Parks. Die Tiere wirken sehr lebendig, sind aber künstlich. Das Ganze geht auf ein berühmtes Höhlen-Heiligtum in den nahen Bergen zurück (Wat Tham Sua), in dem ein Einsiedler mit einem Elefanten und einem Tiger friedlich zusammengelebt haben soll. Da nicht jeder ständig zu dem Heiligtum pilgern kann, hat man das Ensemble einfach in der Stadt wieder aufgebaut.

Origineller "Ampel-Träger" an einem Verkehrsmittelpunkt Krabis. Geht der Typ auf praehistorische Funde in der Nähe von Krabi zurück?
In diesem Haus wohnen wohl nur Puppen!
Krabis großer Tempel im weißen "Zuckerbäckerstil" 
Der Naga-Schlangenkopf  blickt böse - wegen unserer Lästerungen über den Tempel-Stil?


Viharn - außen / innen

Süße  "Miezekatze" - ist aber nicht echt!
Auch die zwei sind rührend - aber wohl auch aus Plastik
Abendlicher Ess-Markt in Krabi

Nachdem wir einige Geschäfte besucht und eingekauft haben, spazieren wir zum Flussufer. Dort wird abends ein großer Ess-Markt abgehalten. Wir schlendern von Stand zu Stand und betrachten die lecker aussehenden Speisen. Schließlich hole ich mir einen gebratenen Fisch, Dagmar hat eine andere Mahlzeit ausgewählt. Wir setzen uns an einen Tisch und verspeisen alles mit großem Appetit. Es hat mal wieder köstlich geschmeckt und ist uns gut bekommen.

Am nächsten Tag ist Abreisetag. Wir bekommen die Rechnung für die leiblichen Genüsse in den Tagen hier präsentiert – sie hält sich in Grenzen – hinterlassen ein gutes Trinkgeld und werden freundlich verabschiedet.

Noch einmal Bankok

Wieder ist der Flug problemlos und wir landen in Bangkok. Mit einem Taxi fahren wir in unser früheres Hostel, das Baan Dinso. Dort werden wir wie alte Bekannte begrüßt. Da es der Abschiedabend mit Anna-Lena ist, gehen wir abends in ein elegantes Hotel-Restaurant am Fluss essen. Hier steigen Prominente ab. Tische fein gedeckt, Mückenspray, Seife und Deodorant auf dem Tisch. Lichter der Hochhäuser an beiden Ufern, auf dem breiten Fluss bunt beleuchtete Restaurant-Dschunken, romantische Atmosphäre. Doch das Essen ist mäßig, an den Strassen und im Pine Bungalow waren die Gerichte origineller und haben uns besser geschmeckt.

Am nächsten Tag entschwindet Anna-Lena nach dem Frühstück Richtung Flughafen. Ein bisschen Wehmut  Aber es war schön, dass wir uns hier auf halbem Weg zwischen Europa und Australien getroffen haben. Wir hatten eine gute und erlebnisreiche Zeit zusammen.

Wir haben noch drei Tage in Bangkok vor uns, am dritten müssen auch wir abends abfliegen. Die Tage sind mit Bummeln, Essen und Besichtigungen ausgefüllt. Wir entdecken ganz in der Nähe von unserem Hostel eine vegetarische Ess-Stube. Die Besitzerin und Köchin beäugt uns beim Betreten misstrauisch. Was wollen die Europäer in diesem sonst nur von Thais besuchten Laden? Und ob ihnen die Speisen hier schmecken werden? Sie schmecken wunderbar! Die verschieden zubereiteten Tofus sind köstlich!

Wat Phra Kaeo –  das "Heiligtum des Smaragd-Buddhas" und der „Große Palast“

Der "Smaragd-Buddha" (Bild: wiki / madolora)
Ein Höhepunkt war die Besichtigung des Wat Phra Kaeo, des „Großen Palastes“ mit dem Tempel des „Smaragd-Buddhas“. Das Wat Phra Kaeo ist ein königliches Heiligtum „ersten Ranges“, in dessen Bereich auch die frühere Residenz der jetzigen Königsdynastie lag, der „Große Palast“. Hier lebten und leben keine Mönche, die Anlage ist der königlichen Verehrung, vor allem des „Smaragd-Buddhas“ gewidmet, wobei auch das Volk einbezogen wird. Der Bau des Bezirks wurde vom Gründer der Chakri-Dynastie, König Rama I. (1782-1809) begonnen, nachdem er die Hauptstadt Siams nach Bangkok und dort auf das rechte Ufer verlegt hatte. Ab 1782 wurde der Palast erbaut, dann der Smaragd-Buddha-Tempel. Die Buddhastatue und der Ort genießen höchste Verehrung in Thailand, der Buddha gilt als der Schutzherr Thailands.


Wat Phra Keo - das Heiligtum des Smaragd-Buddhas (Postkarte)

Der Smaragd-Buddha hatte, vielleicht aus Indien stammend, eine wechselvolle Geschichte hinter sich, ehe er nach Bangkok kam. Im Jahre 1434 traf ein Blitzschlage einen Chedi (Reliquienturm) eines Klosters in Chiang Rai im Norden Thailands. Eine mit Gips überzogene Buddhastatue kam zum Vorschein. Der Abt des Klosters entdeckte, dass das Bildnis im Inneren grün war und nahm an, dass die Figur aus Smaragd hergestellt sei. In Wirklichkeit handelt es sich um Jade, aber der Name blieb. Über verschiedene Stationen und Umstände kam die Statue nach Vientiane. Der spätere König Rama I. eroberte diese Stadt als General und brachte den Buddha nach Thailand zurück. 1784 wurde er in seinen heutigen Tempel überführt.


Stammlinie der Könige der Chakri-Dynastie - oben: Rama I., unten rechts: der jetzige König Rama IX. (Bhumibol Adulyadeyi) (Tafel Museum des Großen Palastes)
Die Könige Rama I. bis Rama IX. ( der jetzige in der Mitte unten. Inzwischen ist er 88 und sehr krank)

Am frühen Sonntagmorgen machen wir uns auf den Weg zum Heiligtum. Nach längerem Fußmarsch gelangen wir an die Mauer, die das heilige Areal umschließt. Wir finden ein kleines Tor, vor dem ein Wächter steht. Er belehrt uns, dass das Heiligtum für Touristen erst gegen Mittag geöffnet werde. Heute sei ein großes Fest, bei dem nur Buddhisten zugelassen seien. Der Smaragd-Buddha erhält nämlich seine „Sommer-Bekleidung“. Es ist Tradition, dass die Statue drei Mal im Jahr, zu Beginn des Sommers, der Regenzeit und des Winters, spezielle Kleidung erhält. Der König, und im heutigen Fall der Thronfolger, führt die Zeremonie des Kleidungswechsels durch und sprengt dabei heiliges Reinigungswasser auf die Teilnehmer.

Das kleine Tor
Außerdem macht mich der Mann darauf aufmerksam, dass ich mit meiner adretten Dreiviertels-Hose nicht in den Tempelbezirk komme. Wir ziehen ab. Gleich kommt ein anderer Thai auf uns zu und verwickelt uns in ein Gespräch. Er behauptet, das Heiligtum werde für uns erst am Nachmittag geöffnet. Er würde uns gerne in der Zwischenzeit andere Sehenswürdigkeiten und preiswerte Geschäfte zeigen. Mir liegt auf der Zunge, ihn zu fragen, ob er Buddhist sei, und ob er wisse, dass Buddha seinen Anhängern Wahrhaftigkeit auferlegt habe. Ich unterlasse das aber und lehne sein Angebot höflich dankend ab. Glücklicherweise gibt es gleich nebenan einen Trödelmarkt. Schnell finde ich ein paar lange Hosen und werde mit dem Verkäufer Handels einig. Die Hosen schlottern um mich, aber Buddha wird mir das verzeihen.

Wir bummeln noch weiter über den Markt, erstehen einige Buddha-Amulette, nehmen eine kleine Stärkung zu uns und schon ist die Zeit der Öffnung gekommen. Wir streben zum Haupteingang und sehen entsetzt bereits riesige Schlangen davor stehen. Glücklicherweise ist es da, wo Gruppen durch gewunken  werden, am vollsten.  Wir nehmen eine Nebenschlange, und irgendwie sind wir dann doch ziemlich schnell im Gelände. Mit uns strömen Heerscharen hinein, meist unter Führung eines oder einer winkenden und schreienden Führungsperson. Viele Japaner und Chinesen, die brav hinter ihrem Guide trippeln. Natürlich streben alle zum Tempel des Smaragd-Buddhas. Wir schlagen uns seitwärts und gehen andere Wege. Mit einem Plan in deutscher Sprache, den wir beim Eintritt erhalten haben, können wir uns leidlich orientieren. Das Areal mit seinen großen und kleinen Tempeln, anderen Gebäuden, Türmen, Statuen, Grünflächen ist wahrhaft riesig. Alles prächtig, vieles bombastisch. An den unterschiedlichen Stilen der Bauwerke kann man erkennen, dass hier unter den verschiedenen Königen immer wieder Neues hinzugefügt wurde.  An den frischen Farben wird deutlich, dass auch immer wieder renoviert wurde und wird. Man kann unmöglich alles anschauen und beschreiben.

Gedränge am Eingang
Terasse inmitten des "königlichen Klosterbezirks": Prangs, Chedis, Figuren...Besucher
Reliquienschrein Phra Siratana Chedi
Mondop (Bibliothek)
Tor mit Wächterfiguren
Reich verzierte Dächer
Außerhalb des Zentrums: Thron- und Empfangshalle (Chakri Maha Prasat / 1872)) des Königs Chulalongkorn
Blick "hinter die Kulissen" der Anlage

Geblieben ist mir der Eindruck von den Bildern an den Wänden der Wandelhallen um den Haupttempel. Sie stellen das Ramakien dar, die thailändische Version des indischen Ramyana-Epos. Der göttliche Rama, alias Rama I., besiegt das Böse in der Gestalt eines dämonischen Gegners (Ravana/Thotsakan) und befreit seine Gemahlin aus dessen Klauen. Ich habe darüber schon in meinem ersten Reisebericht geschrieben. Außerdem gefallen mir die bizarren Figuren, mythische Gestalten wie die Kinnaras, halb Vogel, halb Mensch oder grausige Wächterfiguren. Es gibt auch ruhige Orte, ein Einsiedler-Garten, Becken mit Lotosblüten, kleine Tempelchen, das Museum…
Wächterfigur (erinnert an Thotsakan)
Kleine Unterhaltung mit einem "Löwenhund"
Sockelfigur am Smaragd-Buddha-Tempel: Göttervogel Garuda ( Reittier Vishnus), der eine doppelte Naga-Schlange "im Griff" hat (hier symbolisiert sie Böses

Zwei Stützfiguren an einer goldenen Stupa. Oben: Affe (Hanuman?) unten: Dämon ( Thotsakot?)
"Vogelmensch" (Kinnara) - Kinnaras sind Wesen, die zwischen Erde und Himmel vermitteln, immer heiter, wohlwollend, liebend, auch himmlische Musikanten
Gesicht eines Kinnara

Ruhige Ecken

Galeriebild: König Rama wird verehrt

Nachdem sich der Andrang zum Smaragd-Buddha-Tempel etwas gelichtet hat, lenken wir unsere Schritte dahin. Vor dem Aufgang ziehen wir unsere Schuhe aus. Die Wände der Halle sind mit farbigen Bildern aus dem Leben Buddhas bedeckt. Auch eine Darstellung des buddhistischen Kosmos, der „Drei Welten“ mit ihren Wesen, ist zu finden: Welt der Sinnlichkeit, Welt der Begierdelosigkeit, Welt der Formlosigkeit und reinen Geistigkeit.


Alles strebt zum Tempel des Smaragd-Buddha

Der Mittelpunkt des königlichen Klosters: der Tempel des Smaragd-Buddha

Hier thront die verehrte Figur

Im Mittelpunkt der Halle erhebt sich ein 11 m hoher Podest, in Stufen sich nach oben verjüngend. Er wird von schlanken Buddhafiguren mit schönem Antlitz flankiert, die auf niedrigeren Podesten stehen.  Sie sind den Königen Rama I. und II. gewidmet. Auf den Stufen des Hauptpodestes erheben sich weitere Bildnisse des Erleuchteten. In halber Höhe des Gestells – wie in einem Schoß – sitzend ein kleinerer Buddha. Alle Figuren in Haltungen von bestimmter Bedeutung. Ganz oben endlich thront die  Smaragd-Figur, bekrönt von einem spitz zulaufenden Baldachin. Alles, aber auch alles, erstrahlt in Goldglanz. Das Auge ist geblendet von so viel Pracht. Aber ein wenig sind  wir enttäuscht von der verehrten Figur. Sie ist winzig, nur ca. 60 cm hoch. Fotografieren darf man nicht, ich tue es von außen, wodurch aber das Bild sehr unscharf ist.

Gläubige knien andächtig vor dem Winzling in luftiger Höhe, dessen Einzelheiten man kaum erkennen kann. Das berührt, aber ich frage mich, wie diese Pracht und Figürlichkeit mit dem ursprünglicher Lehre und dem Leben des Stifters vereinbar ist. Warum so viele Figuren des Buddha? Würde nicht eine genügen, auf die sich der Betrachter konzentrieren und in ihre Aussage vertiefen kann?

Wir gehen noch ein wenig hin und her, besichtigen dies und das und verlassen dann das heilige Gelände. Nicht weit dem Eingangstor gegenüber liegend stoßen wir auf einen schmutzigen Wasserlauf. An seinem Ufer stapelt sich der Müll. Darüber erhebt sich ein Monument, das in seinem Inneren eine Statuette der Erdgöttin birgt. Aus ihren Haaren fließt das Fruchtbarkeit spendende Wasser. Welche ungewollte Ironie! Etwas weiter weg ein Traditions-Hotel. Über dem Portal das riesengroße Konterfei des lächelnden Königspaares. Wir treten ein. Kolonialstil, etwas heruntergekommen. Bedienung freundlich, Kaffee und Kuchen gut.

Denkmal vor der Anlage des "Großen Palastes"
Hier wird die Wasser spendende "Große Erdgöttin" verehrt
Schmutziges Wasser und Müll zu ihren Füßen
Das Königspaar lächelt

Auf der breiten Hauptstraße marschieren wir heimwärts. Auf dem breiten Trottoir eine endlose Reihe von Ständen, auf deren Tische Lose ausgebreitet sind. Wo viel Armut herrscht, bleibt nicht nur die Hoffnung auf die Erlösung durch die Religion, sondern auch das Hoffen auf das Zufallsglück. Aber wer soll so viele Lose kaufen und wovon leben die Losverkäufer? Dieses Land gibt viele Fragen auf und lässt viele unbeantwortet.


Abends speisen wir wieder in unserer vegetarischen Esstube. Diesmal empfängt uns die Wirtin lächelnd. Sie weiß, dass uns ihre Gerichte schmecken. Als Nachtisch schenkt sie uns Obst.

Eine Mönchs-Weihe und ein gescheitertes Gespräch mit einem Mönch

Am nächsten und letzten Tag, dem Montag machen wir uns nachmittags zur Kaosan-Road auf, der Touristenstrasse. Wir nehmen Nebenstraßen, die mit ihren Läden, Werkstätten und Auslagen immer interessant sind. Überall hängen große Bilder des Königs. Wir kommen an einer Klosteranlage vorbei, kein Tourismus-Tempel. Thais, teilweise festlich gekleidet, strömen hinein. Neugierig schließen wir uns an. Am Tempeltor wird uns der Eintritt von einem Mann, der offenbar mit dem Tempel verbunden ist, verwehrt. Wir dürfen aber von außen hineinblicken. Wir sehen im Inneren Mönche auf Matten knien, vor dem Altar der Abt. Ein junger Mann, weiß gekleidet und mit kahl geschorenem Kopf, vor ihm. Ein Novize erhält die Mönchsweihe. Unter ständigen Verbeugungen, monotonen Rezitationen und Gesängen entledigt er sich seiner Kleidung bis auf die Lenden. Dann wird das orangenfarbige Mönchsgewand gebracht und kunstvoll um seine Schultern geschlungen. Auch die Schüssel erhält er, in die beim morgendlichen Gang Gläubige Speisen füllen werden.


Kaosan-Road - Treffpunkt der Touristen

Oben / Unten: Weihe eines Mönches

Junger Mönch 

Die Zeremonie zieht sich hin und ich lasse mir die Vorgänge von dem erwähnten Mann erklären. Als er bemerkt, dass ich Interesse am Buddhismus habe, und er mir nicht alle Fragen beantworten kann, empfiehlt er mir, ein Gespräch mit einem alten Mönch. Er gibt mir dessen Karte. Ich lese neben dem Bild eines hageren Alten: With Blessing from Ven. Worn Varattito, Adresse, Telefon, Fax. Dann erklärt er mir den Weg zu ihm.

Ich laufe durch die ausgedehnte Anlage. So ein Kloster hat wie bei uns viele Gebäude und Einrichtungen. Schließlich komme ich an das mir gewiesene Haus. Ich läute, ein Mann, kein Mönch, kommt heraus. Ich bringe mein Anliegen vor und er führt mich in einem überdachten Hinterhof. Er bedeutet mir, hier zu warten. Etwas weiter vor mir sehe ich den alten Mönch. Er sitzt in Meditationshaltung. Vor ihm eine junge Frau, Europäerin. Offenbar hat sie Kinder mitgebracht, zwei europäisch aussehende und ein Thai-Junge. Sie treiben lautstark Unfug um mich herum, sie  langweilen sich. Ich versuche, sie abzulenken und zu beruhigen. Die junge Frau sieht ziemlich verzweifelt aus, offenbar hat sie große Probleme, die sie dem Mönch vorbringt. Der hört zu, schweigt bis auf wenige Worte, nickt hin und wieder mit dem Kopf. Das Gespräch zieht sich. Die junge Frau steht auf und wendet sich mir zu. Sie bittet mich um Geduld, sie hätte viel mit dem Mönch zu besprechen. Sie deutet auch an, worum es geht. Sie ist Deutsche, Auswanderin, lebt in Bangkok, ihr Mann hat sie verlassen, sie hat große wirtschaftliche Probleme, muss aus der Wohnung, die Kinder seien schwierig, deren Freund, der Thai-Junge, übe einen schlechten Einfluss aus, wie ich ja sehe. Ich drücke ihr mein Mitgefühl aus. Klar, dass sie vor meinen neugierigen Wissensfragen Vorrang hat. Ich frage mich aber, ob der Mönch die richtige Anlaufstelle für ihre Sorgen ist. Da unsere Zeit begrenzt ist, gehe ich wieder. Schade, so scheiterte mein Versuch, mit einem Mönch über den Buddhismus zu sprechen. Es sollte wohl nicht sein.

Ich kehre zum Tempel zurück. Die Zeremonie ist beendet. Jetzt hat ein Fest begonnen.
Die Thais sitzen gut gelaunt und schwatzend an Tischen und essen. Am Tempel-Tor stecken bunte Wimpel mit Geldscheinen. Wir laufen um den Tempel herum, steigen auf eine Plattform, bestaunen kunstvoll gearbeitete Dächer und eine Reihe von Buddha-Figuren. Mit Hilfe eines Buches entschlüssele ich ihre Haltungen. Jede bringt einen Aspekt Buddhas und seiner Lehre zur Geltung. Die vielen Gestaltungen Buddhas haben also schon ihre Bedeutungen für Gläubige. Auch die Dächer haben ihre Symbolik. So weisen drei gestaffelte Dach-Teile eines Tempel-Gebäudes auf die drei Schätze des Buddhismus hin: Buddha, Dharma (Lehre) und Sangha (Mönchs-Gemeinschaft).

Buddha-Figur mit erhobenen Händen. Dieses "Mudra" ist die Geste der Furchtlosigkeit und der Güte. Mit ihr ist eine Geschichte aus dem Leben Gotamas verbunden. Ein neidischer Mönch stiftete einen Mahout an, seinen Elefanten auf ihn los zu lassen. Der Buddha besänftigte das Tier mit dieser Geste. Sie drückt auch die Zähmung der Leidenschaften aus.

Die drei Tempel-Dächer symbolisieren drei Schätze: Buddha, Dharma (Lehre) und Sangha (Mönchs-Gemeinschaft)
Volksfrömmigkeit: Opferstätte an Baum

Der weitere Weg führt uns an einem großen Baum vorbei. Unter ihm kleine Figuren, wohl volkstümliche Heilige oder Götter, vor ihnen Bänder und Opfergaben. Das Spektrum der Religion in Thailand ist vielfältig und lebendig.

Abschied von Bangkok

Auf der Kaosan-Road wie immer ein buntes Bild von Verkaufsständen, Händlern und Menschen aus aller Welt. Anpreisen, Feilschen, Kaufen. Wir suchen Mitbringsel und finden einige schöne preiswerte Schals. Dann verlassen wir das dichte Gedränge und schlagen uns in eine Parallelstraße. Hier geht es ruhiger und eleganter zu. Wir kommen an ein große Restaurant mit offener, wenn auch überdeckter Terrasse. Ein riesiger Pappdämon im Hintergrund. Knusprig aussehende Fische liegen auf einem Grill. Ich möchte den letzten Abend in gepflegter Umgebung feiern und lade Dagmar zum Essen ein. Wie wir schon einige Male erfahren haben, ist das Essen in diesen Restaurants eine Enttäuschung. Dagmar ist vorsichtig und bestellt sich nur eine harmlose Kleinigkeit. Ich kann nicht widerstehen und ordre einen der gebratenen Fische. Das sollte sich als verhängnisvoll herausstellen.

Nächtliche Kaosan-Road
Der Restaurant-Dämon, unter dem wir speisten
Die verhängnisvollen Fische

Abendliche Eindrücke in Bankok

Abends zum Flughafen. Der lange Rückflug beginnt. In Doha Zwischenaufenthalt. Raus darf man nicht. Das Personal ist unfreundlich. In den Hallen ein Gewimmel von Menschen, in Burnusse gehüllte Männer, bis auf die Augenschlitze verhüllte Frauen. Viele Mekka-Pilger in weißen Gewändern, meist aus Indonesien. Free-Duty-Geschäfte mit Gold, teurem Schmuck und  Textilien. Wir müssen dringend wohin. Lange Schlangen davor. Als Dagmar die Toilette verlässt, wird hinter ihr sorgfältig geputzt, ehe Muslimas hinein dürfen. Sie könnte unrein sein. Wir wollen nie mehr mit Qatar-Airways und Zwischenaufenthalt in Doha fliegen.
Ich komme nicht vom Klo herunter. Der Fisch war offenbar nicht frisch und tut seine Wirkung. Endlich wieder im Flugzeug, Essen, Schlafen, Filme sehen, sich ein wenig die Füße vertreten. Die Fenster sind verhüllt, die Stewardessen sorgen dafür, dass man nicht hinausgucken kann. Heimlich tun wir´s doch, schließlich will man einen Blick von den Ländern erhaschen, über die man fliegt. Sonderbar: Wir sind bei Sonnenuntergang weggeflogen, doch während des Fluges von Doha geht sie bald wieder auf – Zeitverschiebung.

Mittags kommen wir in Barcelona an. Wie geordnet und heimisch wirkt diese Welt auf uns, die manchem Deutschen, der hier landet, bereits fremd und etwas chaotisch vorkommen mag. Thailand ist schon anders als Europa. Und doch sind wir bei aller Verschiedenheit eine Welt, eine Menschheit und miteinander verbunden.